Wenn Stillsitzen zum Problem wird – ADHS im Kindesalter

Junge mit Papierflieger | © panthermedia.net /Wavebreakmedia ltd
Junge mit Papierflieger | © panthermedia.net /Wavebreakmedia ltd

Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität: Etwa jedes zwanzigste Kind weltweit leidet an der sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS. Solchen Kindern fällt es besonders schwer, sich ruhig zu verhalten, für längere Zeit ihre Konzentration zu bewahren und Aufgaben zu vollenden. Die Symptome sind jedoch von Kind zu Kind verschieden und können durchaus unterschiedliche Ausprägungen haben.

Woran erkenne ich als Elternteil möglichst früh, dass mein Kind an ADHS leidet? Was für Behandlungsmethoden werden in diesem Fall empfohlen? Und wie verhalte ich mich im Alltag?

Wie erkenne ich ADHS rechtzeitig?

ADHS ist eine der häufigsten psychiatrischen Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen und hat genetische Ursachen. Das sensible System der reizweiterleitenden Botenstoffe ist bei ADHS-erkrankten Kindern ins Ungleichgewicht geraten: Ankommende Reize werden nur unzureichend gefiltert, wodurch die Kinder einer andauernden Reizüberflutung ausgesetzt sind. Das führt zu den drei Hauptsymptomen Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität, welche unterschiedlich stark ausgeprägt sein können und auch nicht alle in gleichem Maße auftreten müssen.

An ADHS leidende Kinder haben beispielsweise große Schwierigkeiten, still zu sein und ruhig sitzen zu bleiben. Sie können nicht warten, bis sie an der Reihe sind, reden häufig dazwischen oder zappeln herum – auch in äußerst unpassenden Momenten. Außerdem zeigt sich die Krankheit an Konzentrations- und Organisationsschwierigkeiten: Hausaufgaben werden nicht vollständig oder nur chaotisch erledigt.

Allerdings spricht man nicht bei jedem unkonzentrierten, schwer zu bremsenden Kind direkt von ADHS. Um wirklich von einer genetischen Störung ausgehen zu können, müssen die Verhaltensauffälligkeiten bereits ab dem Vorschulalter, in verschiedenen Bereichen und über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten auftreten. Nur ein erfahrener Kinderarzt oder Kinderpsychiater kann ADHS anhand von verschiedenen ärztlichen Untersuchungen und Befragungen diagnostizieren, weshalb das Aufsuchen eines Arztes zwingend notwendig ist. Keine Eigendiagnosen stellen!

Die richtige Behandlung für mein Kind?

Konzentrationsübungen | © panthermedia.net /AllaSerebrina
Konzentrationsübungen | © panthermedia.net /AllaSerebrina

Grundsätzlich ist ADHS keine seltene Krankheit und die Behandlungsmethoden haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert, wodurch man heutzutage viele Symptome gut bekämpfen kann. In den meisten behandelten Fällen legen sich die Auffälligkeiten im Jugendalter oder spätestens mit Hereinbrechen des Erwachsenseins.

Damit jedoch keine bleibenden Schäden (wie schlechte Schulleistungen, soziale Probleme oder Depressionen) auftreten, ist eine professionelle Behandlung von essentieller Bedeutung. Wie genau diese aussieht und wann sie beginnt, variiert von Kind zu Kind. Im Allgemeinen ist eine Kombination aus Verhaltenstherapie und medikamentöser Therapie am effektivsten: Verhaltenstherapeutische Maßnahmen versuchen, die alten Verhaltensmuster zu minimieren und neue aufzubauen; unterstützend werden in den meisten Fällen sogenannte Stimulanzien verschrieben, die die Reizübertragung im Gehirn beeinflussen.

Es ist wichtig, dass die Eltern, Ärzte, Erzieher und Lehrer zusammen arbeiten und zwischen ihnen regelmäßige Rücksprachen stattfinden. Nur wenn in allen Lebensbereichen des Kindes kompetente pädagogische Maßnahmen durchgeführt werden, erfolgt eine Minderung der Krankheitszeichen. Manchmal ist es als Elternteil nicht gerade einfach, mit der unbekannten Situation umzugehen: In Selbsthilfegruppen kann man sich deshalb mit anderen Eltern austauschen und entspannen.

Wie gehe ich mit der Krankheit um?

Kind bei den Hausaufgaben | © panthermedia.net /Erik Reis
Kind bei den Hausaufgaben | © panthermedia.net /Erik Reis

Betroffene Eltern sollten in Absprache mit dem Arzt bestimmte Methoden besprechen, die das Kind bei der Bewältigung des Alltags unterstützen und das Familienleben optimieren. Dazu gehören feste Strukturen und Zeiten: Die Hausaufgaben immer zur gleichen Tageszeit zu erledigen, bringt sowohl dem Kind als auch seinen Eltern Regelmäßigkeit. Kurze Pausen zwischendrin und eine reizarme Lernumgebung helfen dabei, die Konzentration länger aufrecht zu erhalten. Da Hausaufgaben für ADHS-Kinder besonders anstrengend sind, sollte man sie loben, wenn alles geschafft und die Schultasche für den nächsten Tag gepackt ist.

Belohnung ist auch in anderen Momenten hilfreich und motivierend, weshalb positives Verhalten in jedem Fall direkt zu bestärken und zu fördern ist. Schlechte Eigenschaften nicht mit Aggressivität bestrafen, sondern in einem konsequenten, offenen Gespräch bereden! Feststehende Regeln zeigen dabei, was für das Kind erlaubt ist und was definitiv nicht geht: So lernen die Kinder, welche Konsequenzen es hat, wenn sie sich an die Regeln halten – oder eben nicht.

Viele hyperaktive Kinder haben einen großen Bewegungsdrang, den es gilt, in den richtigen Momenten gezielt zu fördern. So können sie sich zum Beispiel bei unterschiedlichen Sportaktivitäten richtig austoben und ihre Rastlosigkeit ausleben. Daher sind feste sportliche Hobbys am Nachmittag empfehlenswert. Darüber hinaus helfen kleine Dehnübungen zwischendrin oder ein kurzer Spaziergang durch den Raum, sich anschließend wieder besser zu konzentrieren und steigern außerdem die Aufmerksamkeit.

Fazit: ADHS im Kindesalter

ADHS ist eine genetische Krankheit, die man jedoch bei frühzeitiger, fachkundiger Behandlung erfolgreich in den Griff bekommt. Für jedes Kind gibt es eine individuelle Vorgehensweise, aber grundsätzlich sind feste Strukturen und Regeln zentral für den Umgang mit betroffenen Kindern. Anstatt ihren Charakter ändern zu wollen, sollte man ihre positiven Eigenschaften (Kreativität, Hilfsbereitschaft etc.) fördern und belohnen. Viel Liebe, Zuneigung und Bestärkung in Alltagssituationen sind wichtig für die Kinder, um ihnen immer wieder zu zeigen: „Es ist schön, dass ihr da seid!“

Wenn Stillsitzen zum Problem wird – ADHS im Kindesalter
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