Kind mit Dreck

Warum Kinder nicht steril aufwachsen sollten

[dropcap]E[/dropcap]ltern wollen ihr Kind schützen. Punktum, keine Diskussion. Genetisch verankert, hat dieser Schutztrieb natürlich seine Berechtigung. Was jedoch weniger seine Berechtigung hat, ist, wenn mit diesem Schutztrieb hemmungslos übertrieben wird. Kind und Keim? Oh nein! Sie sagen Mikroben und anderen Mikroorganismen gnadenlos den Kampf an und rücken ihnen mit allerlei chemischem Spielzeug im Zuge ihres Desinfektionskreuzzugs zuleibe. Das Problem an der Sache: Wer das tut, veranlasst das kindliche Immunsystem ebenfalls, schweres Geschütz aufzufahren. Und wir reden hier nicht von Wasserpistolen. Nein, wir reden hier von etwas in der Größenordnung von Hiroshima. Klingt übertrieben? Vielleicht, aber das Prinzip stimmt.

Krippe hilft dem Immunsystem

Wie alles an einem Kind, muss sich auch das Immunsystem erst entwickeln. Die Folge: Kinder sind in den ersten Lebensjahren häufiger krank als Erwachsene. Jedoch sind Krippenkinder härter im Nehmen als Kinder, die keine Krippe besuchen. Warum? Sie stecken sich gegenseitig an, das Immunsystem kann sich besser ausbilden. Windpocken sind ein typisches Beispiel dafür: Hat sie einer, haben sie alle.

Ist das nicht gefährlich, wenn mein Kind krank wird?

Manche für uns Erwachsene vermeintlich »harmlose« Krankheiten sind in der Tat für Kinder gefährlich: Insbesondere Krankheiten, die mit Fieber oder Durchfall einhergehen können bei Kindern lebensbedrohlich enden.

Ist ein Erwachsener krank, ist es sinnvoll die Hygiene eine Zeit lang zu erhöhen: Gründliches Händewaschen und der Verzicht auf engen Körperkontakt vermeiden die Ansteckung. Ein Asylgesuch in einer anderen Unterkunft ist nicht nötig.

Hygienisch ist nicht das gleiche wie steril

Der Krankheitsfall ist eine Sonderregelung: Im Normalfall sollte man davon absehen es mit der Hygiene zu übertreiben. Ist die Wohnung keimfrei, nennt man das steril. Hygiene bedeutet hingegen, die Keime auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Wie heißt es so schön? »Dreck ist gesund«. Ein provokanter aber wahrer Satz: Wird das Immunsystem von Kindern als auch von Erwachsenen nicht mit Erregern konfrontiert, läuft es Amok. Die Folge sind Allergien und Krankheiten, wie beispielsweise Neurodermitis oder Asthma.

Man sollte also davon absehen, insbesondere als Eltern, die Wohnung steril zu gestalten. Auch wenn Sie es gut meinen. Ihr Kind soll die Chance haben sich gesund zu entwickeln: Dazu gehören eben auch kleinere Krankheiten oder die Konfrontation mit Schmutz.

Bildquelle: Drew Coffman – Flickr.com (CC BY 2.0)

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