Waldorfpädagogik

[dropcap]D[/dropcap]ie Waldorfpädagogik ist vor allem aus Schulen bekannt. Allerdings sind vielen Waldorfschulen inzwischen Kindergärten angeschlossen, und im Rahmen des bundesweiten Ausbaus der Betreuung der Unter-Dreijährigen sind zahlreiche Kinderkrippen entstanden. Die Waldorfpädagogik sieht den Menschen von Anfang an als vollwertiges Individuum an, zollt dem Menschen mit allen Eigenarten Respekt und hat sich das Ziel gesetzt, jedes einzelne Kind in seinem ganz individuellen Lernen zu unterstützen.

Was ist Waldorfpädagogik?
Der Respekt steht im Mittelpunkt

Der Umgang miteinander ist in Waldorf-Tagesstätten sehr respektvoll, und jede Handlung setzt die volle Zustimmung des Kindes voraus. Die Körper- und Sinnespflege steht bei den Kleinsten noch im Mittelpunkt: Händewaschen, Eincremen, Haare kämmen, Kleidung wechseln, der Toilettengang, das Gesicht waschen nach dem Essen – alle diese Tätigkeiten werden mit Hingabe zelebriert.

Kinder lernen, sich selbst und ihren Körper in hohem Maße zu respektieren und auf sich zu achten. Die Einrichtung der Kindertagesstätten sind ganz auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet.

Zur Pflege der Sinne gehört nämlich außer den alltäglichen Verrichtungen zur Hygiene auch die Pflege der schönen Sinne. Es wird viel gesungen, gehört und gefühlt, Bewegung ist wichtig. Und natürlich wird der Respekt auch der Umwelt entgegengebracht. Es steht viel Zeit für die Zubereitung von Essen zur Verfügung sowie für das Essen selbst. Den Kindern wird die Natur nahe gebracht, in Reimen, Fingerspielen, den zur Verfügung stehenden Spielmaterialien und in der Zeit draußen werden die Jahreszeiten thematisiert.

Kunst und Handwerk

Die Seele steht nur dann mit dem Geist im Gleichgewicht, wenn Erlebnisse verarbeitet und kreativ bearbeitet werden können. Dieser Gedanke geht auf Rudolf Steiner zurück, den Begründer der Waldorfpädagogik. Handwerkliches Geschick, kreative und künstlerische Tätigkeiten nehmen einen festen Platz im Alltag in Waldorfeinrichtungen ein. Das ist natürlich an das jeweilige Alter der Kinder angepasst.

Während die Jüngsten sich noch mit Wachsmalkreiden und Sandmalereien begnügen, wird bei den größeren Kindern auch getöpfert, geschnitzt, gefilzt, mit Aquarellen gemalt und dergleichen mehr. Das Erleben findet immer entsprechend der Entwicklungsstufe der Kinder statt – es fängt im kleinen an.


Spielmaterialien bei der Waldorfpädagogik

Das wohl auffälligste im Alltag der Waldorfkindertagesstätten sind die Spielsachen. Während viele Kinderkrippen schlicht ein riesiges Angebot an Spielmaterialien, Malsachen und Büchern haben, sind die Räume der Waldorfkindertagesstätten eher schlicht eingerichtet.

Es gibt viel Raum für Bewegung, die Kinder haben Kletterelemente zur Verfügung. Es gibt Tiere und Puppen aus Holz und Textilien, einige Fahrzeuge, Küchengerät, Seile, Schnüre und Bänder, Tücher und eine Puppenküche. Herkömmliches Kinderspielzeug sucht man vergebens. Und auch bei der Wahl des Spielzeugs spielen die Sinne eine Rolle: Die meisten Gegenstände sind aus verschiedenen Hölzern gefertigt (Holzspielzeug), die Textilien sind aus Schafwolle, Baumwolle, Leinen und Seide hergestellt. Die Natur liefert alles:

  • Bälle und Seile aus Filzwolle
  • Kastanien, Nussschalen und verschiedene Zapfen als Spielmaterial
  • Holz für Tiere, Fahrzeuge und Konstruktionsspielzeug
  • Baumwolle und Seide für Tücher, Decken, Kissen und Kleidung
  • Papier und Wachs (-malkreiden) zum kreativen Gestalten

Waldorfkindergarten: Rhythmisierter Alltag

Kinder brauchen Halt, sie brauchen Verlässlichkeit und Stütze. Um in der Welt der Erwachsenen anzukommen und sich langsam in die Rhythmen von Tagen und Stunden, Wochen und Jahreszeiten einzufügen, hilft es Kindern, wenn sie selbst verlässliche Rhythmen erleben.

Der Alltag in Waldorfeinrichtungen folgt stets einem festen Muster. Es gibt feste Zeiten für das Frühstück, das Vorlesen, das Malen, das Singen, das Musizieren, die Körperpflege. So werden selbst lange Vormittage für die Kleinsten überschaubar, die schon nach kurzer Zeit genau wissen, dass nach dem Händewaschen das Frühstück kommt, nach dem Frühstück die Körperpflege, dann das Spiel im Freien und so weiter.

Manche Tätigkeiten sind, wenn auch erst im Kindergarten, an Wochentage gebunden. So wird von der kleinen Einheit Tag in die größere Zeiteinheit Woche übergeleitet. Insgesamt sind die Tage in Waldorfeinrichtungen im Vergleich zu anderen Tagesstätten eher ruhig und harmonisch.


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