Kindeswohlgefährdung | © PantherMedia / alenkasm (YAYMicro)

Vorwurf Kindeswohlgefährdung: Was steckt dahinter?

Ob das Kindeswohl tatsächlich gefährdet ist, ist für Ausstehende oftmals nicht leicht zu erkennen. Aus diesem Grund sind viele Menschen diesbezüglich sehr verunsichert. Zwar möchten sie einem potentiell gefährdetem Kind sehr gerne helfen, doch gleichzeitig scheuen sich die aufmerksamen Menschen auch immer davor, die entsprechende Familien fälschlicher Weise zu beschuldigen, da dies natürlich weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Um überhaupt sicher sein können, ob es sich im vorliegenden Fall tatsächlich um Kindeswohlgefährdung handelt, muss man zunächst einmal wissen, was sich genau hinter diesem Begriff verbirgt, bzw. wie dieser genau definiert ist. Das sagt das Gesetz zum Thema Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung: „Das Kindeswohl umfasst das körperliche, geistige und seelische Wohl eines Kindes. Eltern und Erziehungsberechtigte sind in der Pflicht, das Kindeswohl zu erhalten und dafür zu sorgen, dass es ihren Kindern gut geht. So haben Kinder zum Beispiel ein Recht auf gewaltfreie Erziehung.

Gemäß des § 1666 des BGB liegt eine Kindeswohlgefährdung dann vor, sobald das körperliche, geistige oder seelische Wohl eines Kindes unmittelbar beeinträchtigt oder bedroht ist und die Erziehungsberechtigten nicht in der Lage sind, diesen Zustand zu beenden oder nicht willens sind, diesen zu beenden. Wenn es also Anhaltspunkte für einen Kindeswohlgefährdung gibt, dann ist das zuständige Jugendamt der entsprechende Ansprechpartner. Der § 8a Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII) bestimmt, dass das Jugendamt aktiv werden muss.

Sollte sich der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung bestätigen, wird ein Familiengericht geeignete Maßnahmen beschließen. Im § 1666 Absatz 3 BGB sind diese Maßnahmen entsprechend aufgelistet. Eine mögliche Variante wäre es, den Eltern eine Auflage zu machen, bei der sie Hilfsangebote wahrnehmen müssen. In Extremfällen, kann das Jugendamt den Eltern aber auch die elterliche Sorge entziehen und das Kind aus der Familie nehmen.

Kindeswohlgefährdung melden

Manche Menschen haben einfach sehr große Angst, das Jugendamt zu kontaktieren. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, sich zunächst einmal an eine Familienberatungsstelle zu wenden, um sich dort Rat zu holen. Hier erkennen Experten auf Grund der gemachten Schilderungen sehr schnell, ob es sich um den Tatbestand der Kindeswohlgefährdung handelt oder nicht.

Gerade auch in Sorgerechtsfällen kommt es oft zu Fällen, in denen ein Elternteil vermutet, dass das Wohl des Kindes bei dem anderen Elternteil gefährdet sein könnte. Wer hier selbst betroffen, aber unsicher ist und mit einer entsprechenden Beweiskraft beim Jugendamt vorstellig werden möchte, könnte sich zum Beispiel an eine nach DIN SPEC 33452 TÜV zertifizierte und auf Kindeswohlgefährdung spezialisierte Detektei wenden.

Man muss als Privatperson übrigens keine Angst, dass man wegen Verleumdung angezeigt wird. Hier vertreten die Jugendämter die Haltung, dass man lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig Meldung machen sollte.

Für Außenstehende ist es häufig extrem schwierig, eine Kindeswohlgefährdung zu erkennen. Pädagogische Fachkräfte, zu denen beispielsweise Erzieher und Lehrer zählen, haben einen regelmäßigen Kontakt zu den Kindern und sind durchaus in der Lage, zu erkennen ob es sich hier um Kindeswohlgefährdung handelt oder nicht. Sie können sich deshalb strafbar machen, wenn sie in einem konkreten Verdachtsfall nicht handeln.

Indizien für eine Kindeswohlgefährdung

Kindeswohlgefährdung | © PantherMedia / alenkasm (YAYMicro)

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Auch wenn die Verunsicherung noch so groß ist, so gibt es dennoch eindeutige und recht typische Kriterien für eine Kindeswohlgefährdung. Da sind wohl mit Abstand die auffälligsten Kriterien körperliche Merkmale. Regelmäßig erkennbare blaue Flecken oder eine Häufung von Narben oder auch Knochenbrüchen können eindeutige Spuren für Gewalt sein.

Aber auch das Erscheinungsbild eines Kindes kann durchaus Aufschluss über die häuslichen Verhältnisse geben. Erscheint das Kind häufig in verschmutzter Kleidung, oder in Kleidung, die den Witterungsbedingungen nicht angemessen ist, so versteckt sich dahinter häufig deutlich mangelnde Hygiene.

Kinder, die häufig sehr müde sind, oder bei denen es zu Schlaf- oder Essstörungen kommt, und die neben starken Konzentrationsstörungen vielleicht sogar mit Stottern reagieren, können ebenfalls einer Kindeswohlgefährdung unterliegen. Nicht selten kann man bei diesen Kindern auch deutliche Entwicklungsverzögerungen erkennen.

Oftmals zeigen sich die betroffenen Kinder häufig sehr aggressiv oder sie sind extrem schreckhaft oder sehr ängstlich. Ebenso kann ein solches Kind dadurch auffallen, dass es andauernd Regeln missachtet. Auch eine große Distanzlosigkeit oder ein extremes Abkapseln gegenüber allen anderen können starke Hinweise für eine Kindeswohlgefährdung sein. Auch Kinder, die sich selbst verletzen, gehören häufig zu der betreffenden Gruppe.

Wie äußert sich eine Kindeswohlgefährdung konkret?

Zu den Grundbedürfnissen eines Kindes zählen: Essen, sauberer Kleidung, Nähe und Geborgenheit oder ärztlicher Behandlung bei Krankheit. Sind diese Faktoren nicht gewährleistet, handelt es sich bereits um Vernachlässigung.

Auch haben die Eltern dafür Sorge zu tragen, dass das Kind der Schulpflicht nachkommt. Die Aufsichtspflicht ist ebenfalls von enormer Bedeutung. So darf ein Kleinkind nicht über längere Zeit unbeaufsichtigt allein spielen, insbesondere dann nicht, wenn sich Gefahrenstellen wie beispielsweise eine stark befahrene Straße, eine Treppe oder Ähnliches in unmittelbarer Nähe befindet.

Außer der körperlichen Gewalt gelten aber ebenso psychische oder seelische Misshandlung zur Kindeswohlgefährdung. Dies gilt nicht nur, wenn das Kind selbst attackiert wird, sondern wenn es Zeuge von solchen Szenen wird.