Unterhalt fürs Kind: Wer zahlt, wenn die Eltern getrennte Wege gehen?

Wenn Familien auseinanderbrechen, ist das schmerzhaft für alle Beteiligten. Neben den persönlichen Sorgen und dem Kummer sowie den Ängsten der Trennungskinder kommen dann aber auch noch viele rechtliche Fragen auf die Eltern zu. Und nicht selten wird vor deutschen Gerichten ums liebe Geld gestritten. Wer zahlt was an wen? Fest steht, dass Kindern Unterhalt zusteht.

Wer muss nach einer Trennung oder Scheidung Unterhalt für die Kinder zahlen?

  • Eltern sind für ihre Kinder unterhaltspflichtig. Kommt es zur Scheidung oder Trennung, dann erfüllt der Elternteil, bei dem das Kind oder die Kinder leben, seine Unterhaltspflicht dadurch, dass Wohnung, Verpflegung und die gesamte Versorgung gewährt sind. Das wird oftmals auch als „Naturalunterhalt“ bezeichnet. Der andere Elternteil erfüllt diese „Naturaltunterhalt“ nicht oder zumindest nicht vollständig. Er muss somit einen „Barunterhalt“ leisten.
  • Bei diesem „Barunterhalt“ handelt es sich um einen Kindesunterhalt, der bei minderjährigen Kindern dem betreuenden Elternteil monatlich gezahlt wird.
  • Der Kindesunterhalt ist nicht fest im Gesetz geregelt, hier findet jedoch in der Regel die „Düsseldorfer Tabelle“ bundesweit Anwendung. Normalerweise wird nach dieser Unterhalt für ein Kind oder mehrere Kinder berechnet, allerdings ist sie nur eine Richtschnur. Die Familiengerichte entscheiden im Einzelfall.
  • In der Regel wird der Kindesunterhalt aus dem Nettoeinkommen des oder der Unterhaltsverpflichtenden berechnet. Dazu wird normalerweise der Durchschnitt aus dem Verdienst des vergangenen Jahres gebildet. Eingerechnet werden Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und andere Zuwendungen sowie auch Steuerrückerstattungen. Der Unterhaltspflichtige hat jedoch auf der anderen Seite auch die Möglichkeit, Anzüge geltend zu machen, zum Beispiel durch Werbungskosten oder Fahrtkosten zur Arbeit.
  • Berücksichtigt wird bei der Berechnung auch das Alter des Kindes – die „Düsseldorfer Tabelle“ sieht verschiedene Altersklassen (0-5, 6-11, 12-17 und ab 18) vor.
  • Geltend machen kann der Unterhaltspflichtige auch das staatliche Kindergeld, denn das steht beiden Elternteilen zu – auch wenn es in der Regel komplett an den betreuenden Elternteil ausgezahlt wird. Die Hälfte kann jedoch von dem Betrag, den zum Beispiel die „Düsseldorfer Tabelle“ hergibt, abgezogen werden.
  • Dem Unterhaltspflichtigen steht ein so genannter Selbstbehalt zu, der ihm nach Zahlung des Unterhalts noch bleiben muss.
  • Auch volljährige Kinder haben zum Teil noch einen Anspruch auf Unterhalt. Unverheiratete Kinder werden minderjährigen Kindern bis zum 21. Lebensjahr gleichgestellt, solange sie im Haushalt der Eltern oder im Haushalt eines Elternteils leben und sich in der allgemeinen Schulausbildung befinden.
  • Der Bedarf eines volljährigen Kindes, das bei keinem Elternteil wohnt, liegt in der Regel bei 670 Euro. Eltern haften dafür beide anteilmäßig entsprechend ihres jeweiligen Einkommens.
  • Gerade bei volljährigen Kindern ist die Berechnung des Unterhalts oftmals nicht einfach. Es müssen viele Dinge berücksichtigt werden, so unter anderem auch mögliche BAFÖG-Zahlungen bei Kindern, die sich im Studium befinden. Aber auch bei minderjährigen Kindern kommt es häufig zu Unstimmigkeiten, gerade auch, wenn sich ein Kind in der Ausbildung befindet und erstes eigenes Geld verdient. Damit die Unterhaltsansprüche voll und ganz erfüllt werden, sollte daher im Zweifel ein Fachanwalt eingeschaltet werden.

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