U-Untersuchungen: Krankheiten früh erkennen

[dropcap]G[/dropcap]leich zu Anfang sei festgestellt: Niemand muss. Weder beim Kinderarzt, noch beim Hausarzt – denn bislang sind die U-Untersuchungen, die Vorsorgeuntersuchungen für Kinder, von Seiten des Gesetzgebers her nicht verpflichtend. Aber – und es gibt immer ein aber – die Gesetzlichen Krankenkassen zahlen unter Umständen benötigte Therapien, Arzneimittel und spätere Untersuchen nicht immer ohne längere Diskussion, wenn die Teilnahme an allen angeratenen Vorsorgeuntersuchungen nicht lückenlos nachgewiesen werden kann, und zwar zum vorgesehenen Zeitpunkt. Als Nachweis der Teilnahme an der Kindervorsorgeuntersuchung dient der Eintrag im gelben Vorsorgeheft. Einige der neueren Vorsorgeuntersuchungen, die die Lücken zwischen Einschulungsalter und Jugenduntersuchungen schließen sollen, werden nicht von allen Krankenkassen bezahlt. Dennoch sollte man daran teilnehmen. U1 bis U9, das sind die klassischen Vorsorgeuntersuchungen für Kinder, werden von allen Kassen getragen. Dazu gehört auch noch nicht so lange bestehende U7a, die im 34. bis 36. Lebensmonat gemacht werden soll. Es sind also zehn Vorsorgeuntersuchungen, die die Kinder über sich ergehen lassen sollten.



 

Wo wird die Kindervorsorgeuntersuchung gemacht?

In der Regel macht das der Kinderarzt. Zumindest in den Städten und in städtischen Randgebieten gibt es genügend Kinderärzte, die die Untersuchungen durchführen und auf Anruf Termine vergeben. Auf dem Land ist es etwas anders: Da kann der nächste Kinderarzt weit weg sein, ein Termin nur mit langen Wartezeiten zu bekommen sein. Alle niedergelassenen Hausärzte dürfen die Untersuchungen durchführen – allerdings machen es nicht alle. Generell ist es kein Problem, wenn Kinder das gelbe Vorsorgeheft mit zum Hausarzt der Eltern nehmen und die Vorsorgeuntersuchungen dort durchführen lassen. Wer im Krankenhaus entbindet, lässt U1 (am Tag der Geburt oder am nächsten Tag) und die U2 (vierter bis zehnter Lebenstag) in der Regel dort vornehmen, weil die Kliniken ohnehin Kinderärzte zur Betreuung haben. Wer zu Hause oder im Geburtshaus entbindet, kann die U1 von der Hebamme durchführen lassen, die Damen dürfen das und sind dafür ausgebildet. Für die U2 kommen die meisten Kinderärzte auch gerne zum Hausbesuch, denn für die winzigen Neugeborenen bedeutet jeder Gang vor die Tür, jeder Aufenthalt in einer fremden Umgebung Stress.

untersuchung-impfen

U-Untersuchungen bei Kindern: Was wird gemacht?

Bei den einzelnen U-Untersuchungen geht es um Früherkennung, um die nötigen Impfungen, um die Sprachentwicklung. Die Kinder werden untersucht, um eventuelle Entwicklungsstörungen möglichst frühzeitig zu erkennen. Entwicklungsstörungen sind dabei nicht immer das Gleiche: Eine Entwicklungsstörung bei einem Kind von etwa vier Monaten liegt im grobmotorischen Bereich, im Bereich der Reflexe, der eigenen Körperwahrnehmung. Entwicklungsstörungen bei Kindern im Vorschulalter sind eher im Bereich der Sprachentwicklung zu finden, sie können auch bei Konzentrationsstörungen oder in der Feinmotorik ausgemacht werden. Die Früherkennung ist wichtig: Früh erkannte Störungen können schnell behandelt werden. Wenn ein Kind sich nicht auf einer der altersgerechten Entwicklungsstufen befindet, verzögert sich seine gesamte Entwicklung. Daher ist es wichtig, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben.

Die Vorsorgeuntersuchung ist nicht schmerzhaft oder in einer anderen Art und Weise unangenehm. Bei Babys geht es in erster Linie darum, Gewicht, Größe und Kopfumfang festzustellen, die Reflexe zu überprüfen und die Eltern bezüglich der Impfungen zu beraten. Impfen lässt man die Babys zum ersten Mal im Alter von zwei Monaten, was aber umstritten ist. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass sich das Immunsystem der Kinder erst im dritten Lebensmonat soweit entwickelt hat, dass die Impfungen vom Körper überhaupt angenommen werden. Trotzdem wird der Termin für das erste Impfen in der Regel so früh angesetzt, denn die Kinderärzte rechnen damit, dass die meisten Termine ein- oder zweimal abgesagt werden müssen, weil das Kind eine Erkältung hat. Und bis zum Eintritt in den Kindergarten müssen die ersten Impfzyklen mitsamt Wiederholungsimpfungen abgeschlossen sein. Hebammen raten trotzdem meist davon ab, die meisten Kinder werden auch in den Kindergarten aufgenommen, wenn noch ein oder zwei Impfungen fehlen.

Im ersten Lebensmonat kontrolliert der Arzt normalerweise auch per Ultraschall die Hüftentwicklung der Babys. Späteren Schmerzen und Haltungsschäden kann vorgebeugt werden, indem Kinder mit unreifen Hüftgelenken „breit gewickelt“ werden, also die Beine mit einem zusätzlichen Baumwolltuch in der Hose leicht gespreizt werden, so dass die Gelenke sich in der richtigen Form festigen. Auch eine Untersuchung der Nieren (ebenfalls per Ultraschall) wird vorgenommen, weil hin und wieder Kinder mit nur unzureichend funktionierenden Nieren geboren werden.

Keine Vorsorgeuntersuchung verpassen:
Wer informiert darüber?

Sie können im gelben Vorsorgeheft nachsehen, in welchem Lebensmonat welche Vorsorgeuntersuchung gemacht werden muss. Der Kinderarzt gibt Ihnen diese Informationen gerne, und zur Vorbereitung auf die nächste Untersuchung sollten Sie im Heft nachsehen, was der Arzt kontrollieren will. Denn Sie kennen Ihr Kind selbst am besten – Sie haben viel Zeit, es zu beobachten, und werden seltsame Bewegungsabläufe, ungelenkes Verhalten oder motorische Probleme anderer Art vermutlich eher bemerken als der Arzt. Teilen Sie Ihre Beobachtungen mit, dann kann der Kinderarzt in der kurzen bei der Vorsorgeuntersuchung zur Verfügung stehenden Zeit gezielt nach Problemen sehen. Aber natürlich sind nicht alle ungeschickten Bewegungen der Kinder gleich Entwicklungsstörungen – machen Sie sich also bitte nicht zu viele Sorgen. Es ist normal, dass Kinder nicht alle Entwicklungsstufen nach Zeitplan einhalten. Einen U-Rechner finden Sie übrigens auch oft auf dem vorderen Deckblatt des gelben Vorsorgehefts, dort sind alle U.Untersuchungen auf einen Blick zu sehen. Wenn Ihre Kinderarztpraxis so eine Aufführung nicht zur Verfügung stellt (die werden normalerweise auf das Deckblatt aufgeklebt), dann finden Sie einen U-Untersuchung Rechner im Internet.


Die einzelnen Untersuchungen: U1 bis U10

Name Alter Was wird untersucht
U1 nach Entbindung Die U1-Untersuchung wird direkt nach der Geburt nach dem APGAR-Score durchgeführt (u.a. messen und wiegen des babys sowie eine Blutuntersuchung. Allgemeiner Gesundheitszustand (z.B. Herzfehler, Atmungsanomalien).
U2 3.- 10. Tag Untersuchung erfolgt in der Klinik. Untersucht wird Gelenkbeweglichkeit, Reflexverhalten, Herz, Lunge, Muskeln, Ohren.
U3 4.- 6. Woche Untersuchung erfolgt beim Kinderarzt. Es werden die Körperfunktionen und Hörvermögen getestet. Ausserdem wird ein Hüftscreening durchgeführt.
U4 3.- 4. Monat Der Kinderarzt überprüft die körperliche Entwicklung Ihres Kindes. Eventuelle Impfungen werden besprochen. Die Untersuchung wird bis U7 durchgeführt.
U5 6.- 7. Monat siehe U4
U6 10.- 12. Monat siehe U4
U7 21.- 24. Monat siehe U4
U7a 34.- 36. Monat Bei dieser Kindervorsorgeuntersuchung geht es um Erkennen und Behandlung von Störungen (allergische Erkrankungen, Verhaltungsstörungen, Sehstörungen, Sprachentwicklungsstörungen, Zahn-, Mund- und Kieferanomalien etc.).
U8 46.- 48. Monat Bei der U-Untersuchung U8 wird das allgemeine Wachstum und die geistige Entwicklung des Kindes geprüft (u.a. Koordinationsfähigkeit wie Reflexe, Aussprsche und die Muskelkraft). Ausserdem wird der Zahnstatus untersucht.
U9 60.- 64. Monat Die U9 Vorsorgeuntersuchung findet vor der Einschulung statt. Hier werden Impfungen (Auffrischimpfungen) wie z.B. Tetanus oder Diphterie oder die zweite Masern-Mumps-Röteln-Impfung durchgefüht. Ausserdem werden Test für Grob- und Feinmotorik, das Spachverständnis, das Sehvermögen sowie das Hörvermögen.
U10 7.- 8. Jahr Bei dieser Vorsorgeuntersuchung wird die Lücke zwischen U9 und J1 geschlossen. Schwerpunkt der Untersuchung ist das erkennen von Entwicklunsstörungen wie z.B. Verhaltensstörungen z.B. ADHS (freiwillige Untersuchung), Lesestörung oder Rechenstörung.

[box type=infobox]

Was bedeutet die Abkürzung APGAR-Score?

Mit dem APGAR-Score wird der Zustand des Neugeborenen beurteilt (erfolgt nach einem Punkteschema). Die Untersuchung findet direkt nach der Geburt statt (siehe Untersuchung U1).

  • A – Atmung (Herzfrequenz)
  • P – Puls
  • G – Grundtonus (Grimassieren)
  • A – Aussehen (Hautfarbe)
  • R – Reflexe (Muskeltonus)

[/box]

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.