Situationsorientierter Ansatz

[dropcap]D[/dropcap]er Situationsorientierte Ansatz stellt die Kinder mit ihren ganz individuellen Geschichten, ihrer Vergangenheit und den daraus resultierenden Interessen in den Mittelpunkt. Was passiert nun in einer Kindertagesstätte, die nach dem Situationsorientierten Ansatz arbeitet?

Situationsorientierter Konzept in KiTas:
Projektarbeit, die bis zu neun Monaten dauern kann

Kinder haben Interessen. Sie sind neugierig, beschäftigen sich mit verschiedenen Dingen, sind lernbegierig. Das ist soweit nicht neu – aber der Umgang mit eben dieser Neugier variiert in den verschiedenen Kindertagesstätten.

In KiTas, die nach dem Situationsorientierten Ansatz arbeiten, werden die Interessen der Kinder aufgegriffen und gemeinsam in Projekten umgesetzt. Dabei laufen immer mehrere Projekte parallel, und ein Projekt beschäftigt Kinder und Erzieher/-innen zwischen drei und neun Monaten. Es kann also fast ein ganzes Kindergartenjahr hindurch nur um ein Thema gehen.

Das Thema wird mit den Kindern gemeinsam gefunden: Was sie interessiert, das wird erarbeitet. Dabei geht es nicht so sehr darum, wie Kinder in Zukunft Situationen meistern können, sondern eher um die Gegenwart, um das, was die Fragen, Ängste und Ansprüche der Kinder im Hier und Jetzt bedeuten.

Wie sehen Projekte ganz konkret aus?

Das ist natürlich ganz verschieden. Es gibt keine Projekte, die als Lernaufgaben von den Erziehern und Erzieherinnen für die Kinder vorbereitet werden. Vielmehr erarbeiten sich die Kinder ihre Projekte selbst.

Ein Beispiel: Die Kinder interessieren sich plötzlich für fremde Länder, weil die Fußball-WM begonnen hat. Im Kindergarten thematisieren sie das. Sie wollen zusammen Fußball spielen. Sie werden vielleicht Lieder singen, in denen es um Kinder aus anderen Ländern geht. Und sie werden ganz sicher ihre Urlaubs- und Reiseerlebnisse untereinander austauschen, vielleicht Bilder aus anderen Ländern von zu Hause mitbringen und eventuell das ein oder andere Fußballspiel zumindest teilweise im Kindergarten zusammen ansehen.

Ziel ist dabei nicht, dass die Kinder möglichst viel über fremde Länder lernen, dass sie die Regeln des Fußballs verstehen oder erkennen, dass Sport etwas Fairness zu tun hat. Ziel ist vielmehr, dass die Kinder zusammen ihren Alltag gestalten und kreativ an ihre Fragen herangehen. Sie nähern sich mehr oder weniger aus Eigeninitiative einer Lösung.

Die Kindertagesstätte als Raum für Kinder und von Kindern gestaltet

Der Situationsorientierte Ansatz stellt das Kind selbst soweit in den Mittelpunkt, dass die Kinder sogar selbst ihre Umgebung gestalten. Die Räume werden so eingerichtet und geräumt, dass die Kinder sich gut darin zurechtfinden und sich wohlfühlen – die Ansprüche der Erwachsenen sind unwichtig.

Während in den meisten Kindertagesstätten von den Erziehern und Erzieherinnen ausgegangen wird und eine Umgebung geschaffen wird, in der die Kinder zwar kindgerecht spielen können und sich wohlfühlen, die sichere und zuverlässige Betreuung aber im Mittelpunkt steht, ist hier eigentlich nur das Kind wichtig. Kompromisse, die die Bedürfnisse der Kinder zugunsten der Arbeitserleichterung des Betreuungspersonals vernachlässigen, gibt es nicht.

Woher kommt dieser Ansatz?

Das Konzept wurde in den 1990er Jahren von einem Pädagogen in Kiel entwickelt. Der Situationsorientierte Ansatz hat weniger mit abstrakten pädagogischen Konzepten und Bildungszielen zu tun, als man denken mag – er basiert eigentlich auf harten Fakten aus der Forschung. Im Kern stehen drei Annahmen:

  • Die Bindungsforschung hat herausgefunden, dass Kinder in diesem Alter am meisten profitieren, wenn sie sich nicht Lehrkräften gegenüber sehen, sondern wenn sie Bildungspartner und Vorbilder treffen.
  • Die Bildungsforschung geht davon aus, dass Kinder nicht gebildet werden können, sondern sich nur durch Selbstbildung bilden. Den Kindern soll die Freude am Leben und an der Selbstbildung vermittelt werden, der Wille zur Bildung entsteht daraus alleine.
  • Die Hirnforschung hat herausgefunden, dass Selbstbildung durch Glücksempfinden positiv stimuliert wird. Lebensfreude bewirkt, dass sich Kinder gerne mit ihren Erfahrungen auseinandersetzen und so lernen. Wahrnehmungsoffenheit ist anderes Stichwort, das in diesem Zusammenhang wichtig ist.

Bild: thinkstockphotos / iStock

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