Pränatale Papa-Liebe

Pränatale Papa-Liebe

[dropcap]H[/dropcap]ören Sie? Sie sind jetzt dran. Wo bin ich? Ach ja, ich bin beim Gynäkologen. Ich sehe mich um. OH GOTT, ich bin beim Gynäkologen und im Wartezimmer eingeschlafen! (Schnarche ich eigentlich? Das muss ich heut Abend unbedingt in Erfahrung bringen.) Verdattert hieve ich mich aus dem erstaunlich bequemen Stuhl hoch und schleppe mich in das Sprechzimmer meines Arztes (den leicht belustigten Blicken der anderen Patienten begegne ich mit zur Schau gestellter Ignoranz; innerlich würde ich allerdings gern im Erdboden versinken).

Puh, die zwanzig Schritte zum Sprechzimmer fordern meine (in der Schwangerschaft beurlaubte) Kondition. Umso dankbarer bin ich, dass ich mich nach einem kleinen Plausch über meinen Gemütszustand direkt hinlegen darf: Es steht der routinemäßige Ultraschall auf dem Programm. Würmchen kann dem Ganzen wohl nicht so viel abgewinnen, denn wie die Gerätschaft auf meinem Kugelbauch platziert ist, fängt sie auch schon zu protestieren an. Um ihrer offenkundigen Abneigung Genüge zutun, dreht sie sich einfach weg und ich bekomme wieder einmal nur ihren Mini-Hintern zu sehen.

Unerwarteter Besuch

Während mein Gynäkologe das Ultraschallgerät geduldig hin und her schiebt, damit wir etwas mehr als ein kleines Hinterteil zu sehen bekommen, klopft es an der Tür. Der Papa in spe konnte seine Mittagspause etwas vorverlegen. Die Überraschung ist gelungen.

Ich freue mich – und scheinbar nicht nur ich, denn plötzlich dreht sich unser Baby, schiebt vorbildlich ihren Hintern weg und zeigt sich in ihrer vollen Pracht. Fast könnte man meinen, dass sie bei Papa einen guten Eindruck hinterlassen will.

Wie gern würde ich jetzt wilde Thesen darüber aufstellen, doch meine feuchten Augen (die gehören jetzt zum Standard in sämtlichen Lebenslagen) und die wunderschöne Vollkommenheit von unserem Würmchen lenken mich ab.

Große Papa-Fans

Am Abend ölt mein künftiger Göttergatte meinen Schwangerschaftsbauch gewissenhaft ein. Es ist mit Sicherheit kein Geheimnis, dass kleine Mädchen große Papa-Fans sind. Bei unserem Würmchen ist das nicht anders – obwohl sie noch nicht einmal auf der Welt ist. Reibe ich liebevoll meinen Bauch ein, tut sich nämlich gar nichts, aber wenn der baldige Papa das macht, dann bewegt sich der kleine Fratz mit ihrem Rücken synchron zu seiner Hand.

Ebenso verhält es sich mit den nächtlichen Partyexzessen. Während ich meinen wohlverdienten und unbedingt notwendigen Schönheitsschlaf einfordern möchte, vertreibt sich Würmchen ihre Langeweile mit Drehen, Treten und Zappeln. Geduldig lege ich dann meine Hand auf und rede meinem Bauch gut zu. Umsonst. Legt jedoch der heiß geliebte Papi die Hand auf und streichelt ein bisschen, schlummert die kleine Prinzessin alsbald ein. Eben pränatale Papa-Liebe.

Bild: zeev72 – Flickr.com (CC BY 2.0)

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