Offene Arbeit

Was ist, wenn zwanzig Kinder unter der Anleitung von zwei Erwachsenen ein Kreisspiel spielen sollen und fünf lieber eine Ritterburg bauen wollen, zwei gerade Prinzessinnen sind, drei den imaginären Pferdestall bevölkern, weitere fünf an der Sprossenwand Äffchen spielen und die übrigen fünf Kinder dem ganzen Tumult recht verloren gegenüber stehen? Dann ist das ganz normaler KiTa-Alltag. Und für die Kinder ist es nicht unbedingt besonders nett, denn in der Regel müssen Ritter, Prinzessinnen, Pferde und Affen ihr Spiel unterbrechen und „Faules Ei“ oder „Schiffchen auf der Donau“ spielen. Dem wirkt ein Konzept entgegen, das es seit den 1970er Jahren in Deutschland vermehrt gibt und das mehr oder weniger konsequent umgesetzt wird. Die Rede ist von der offenen Arbeit.

Das Pädagogisches Konzept „offene Arbeit“
Die Freiheit, sich selbst für ein Spiel zu entscheiden

Kinder sind umgänglicher, lassen sich leichter betreuen und lernen besser, wenn sie das tun, was gerade ihre Interessen trifft. Im freiwilligen gemeinsamen Spiel bilden sie soziale Kompetenzen aus, die in der erzwungenen Großgruppe selten entstehen. In gewisser Weise stellt die Offene Arbeit als Konzept für Kleinkind- und Kindergartenpädagogik eine Weiterentwicklung der Forderungen Maria Montessoris dar. Denn es wird davon ausgegangen, dass Kinder sich perfekt selbst entwickeln, indem sie einfach spielen dürfen, wonach ihnen der Sinn steht. Es fällt auf, dass KiTas, die Offene Arbeit umsetzen, leiser sind als die Großgruppenkindergärten. Dass die Kinder oft in ihren kleinen Gruppen hochkonzentriert arbeiten. Und dass die Räume der Betreuungsstätte in ihrer Einrichtung Arbeitsstätten von Erwachsenen mehr oder weniger spielerisch nachbilden.

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Was gibt es in der Offenen KiTa?

  • Im Kreativzimmer stehen Mal- und Bastelmaterialien zur Verfügung, die zum freien Gestalten einladen. Vorlagen sind allerdings auch vorhanden – falls Kinder etwas machen wollen, aber Anregungen wünschen.
  • Im Musikraum stehen verschiedene kindgerechte Instrumente, Musikaufnahmen und unter Umständen eine musikalisch begabte Erzieherin (oder ein Erzieher) zur Verfügung.
  • Im Bauzimmer gibt es Bausteine oder Kaplasteine, eine LEGO-Ecke (wahlweise Duplo), eventuell anderes Konstruktionsspielzeug.
  • In der Werkstatt können Kinder mit Raspeln, Sägen, Nägeln, Schrauben und Leim Holz bearbeiten, Farben aufbringen, aus Kartons Dinge bauen. Seltener steht auch Speckstein und Ton zur Verfügung.
  • Im Turnraum gibt es Bälle, Matten, Sprossenwände, Bänke, Kletterelemente. Hier darf getobt werden. Manchmal ist auch ein Bällchenpool vorhanden.
  • In der Leseecke geht es gemütlich zu. Hier liegen Bücher und Zeitschriften, die angesehen werden können. Eine Vorleseperson kann bei Bedarf herbeizitiert werden.
  • In der Puppenstube gibt es Puppen in verschiedenen Größen, die zugehörigen Kleider, eine Puppenküche, Wickel- und Badegelegenheiten für Püppchen und Wägen.
  • In der Autowerkstatt stehen Autos, Traktoren, Bagger, Raupen und eventuell eine Straßenlandschaft mit Verkehrsschildern zur Verfügung.
  • Im Verkleidungsraum gibt es eine Truhe mit Tüchern, Bändern, Perücken und Kleidungsstücken, einen Spiegel und vielleicht eine Kamera.
  • Im Außenbereich gibt es eine Baugrube mit Sand oder Lehm, einen Erlebnispfad für Barfußgänger, Kletterbäume mit Seilen, alte Autoreifen, leere Getränkekisten und ähnliches Gerät.
  • In der Lernwerkstatt können sich die Vorschulkinder mit Bastelmaterialien, Lernspielen, einer Anlauttafel, Rechenmaterialien und Experimentierkästen auf die Schulzeit vorbereiten. Hier gibt es in der Regel einmal wöchentlich auch eine Anleitung.

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Wie spielen die Kinder?

Die Kinder suchen sich selbst aus, in welchem Raum sie was spielen wollen. Die Thematik der Räume ist klar, Spielzeug wird nicht in andere Räume transportiert, und das Betreuungspersonal steht immer für Fragen und Hilfestellung bereit. Nicht in jedem Raum ist eine erwachsene Person zur dauerhaften Überwachung der Kinder vorgesehen, Streitfälle und kleinere Unannehmlichkeiten können die Kinder sehr schnell selbst klären. Während viele Eltern fürchten, dass die Kinder in diesem Rahmen „nichts lernen“ und sich selbst überlassen bleiben, ist es in der Praxis tatsächlich so, dass die Kinder einer solchen Tagesstätte nicht nur mit Älteren und Jüngeren sehr kompetent und selbstbewusst umgehen, sondern erstaunlich hilfsbereit sind und Altersgenossen in motorischen und kognitiven Fähigkeiten oft voraus. Das bedarf allerdings kompetenten Betreuungspersonen, die sich der Verantwortung bewusst sind, die in dieser Form des freien Miteinanders liegt.


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