Zweisamkeit im Babyalltag | © panthermedia.net / Lev Dolgachov

Zweisamkeit im Babyalltag – Harmonie statt Entfremdung

Wo noch vor einem Jahr ein ausgeglichenes harmonisches Miteinander in der Partnerschaft herrschte, bestimmen jetzt Vorwürfe, Frust und Gereiztheit den Alltag. Der Grund: Der neun Monate sehnsüchtig erwartete Wonneproppen hat Einzug in die Familie gehalten. Doch statt rosiger Idylle mit entspannten Eltern, fröhlich lächelndem Baby und einem ordentlichem Heim entpuppt sich die Wirklichkeit als nerven- und kräftezehrender Kampf gegen Müdigkeit, Chaos und Schreien. Leicht bleibt in diesem Szenario vor allem eins auf der Strecke: die Harmonie zwischen den Eltern.

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Akzeptanz der neuen Rolle ist oft schwierig

[dropcap]O[/dropcap]b adrette Geschäftsfrau, wilde Partybiene oder engagierte Sportlerin – mit einem Baby auf dem Arm behalten die wenigsten Frauen ihr früheres Leben bei. Der Mann sieht sich von heute auf morgen einer gänzlich anderen Partnerin gegenüber. Vorbei sind die Tage der ungestümen Lebenslust, der spontanen Ausflüge, der romantischen Abende. Die jungen Mütter widmen sich in erster Linie dem kleinen Wesen, sind zu einhundert Prozent für den Nachwuchs da und stellen eigene sowie die Bedürfnisse des Partners zurück.

Obwohl den meisten Paaren dieser Wandel im Vorfeld bewusst ist, trifft die Realität sie doch meist recht unvorbereitet. Zwischen dem theoretischem Verständnis der neuen Rollenverteilung und den Gefühlen im Inneren herrscht oft Diskrepanz – bewusst oder unterschwellig. Besonders die jungen Mütter schwanken zwischen Verantwortungsbewusstsein für Kind und Familie und dem Wunsch, eigene Bedürfnisse nach Anerkennung und Selbstbestimmung wieder zu erfüllen. Dieser Zwiespalt, gepaart mit ständiger Übermüdung, ist eine der Hauptursachen für oft unharmonische Verhältnisse in der Partnerschaft zu Beginn des Elterndaseins.

Harmonische Beziehung muss täglich neu erkämpft werden

An der Beziehung arbeiten | © panthermedia.net / Yakobchuk

An der Beziehung arbeiten | © panthermedia.net / Yakobchuk

Um der Beziehung in dieser Belastungsprobe eine Chance zu geben, können Sie dem ständigen Partnerschaftsfrust den Kampf ansagen. Wichtig ist hierbei, dass Sie gemeinsam gegen den Feind Entfremdung ankämpfen. Sehen Sie in Ihrem Partner die Wurzel des Übels und damit Ihren Feind, werden Sie auf lange Sicht den Kampf wahrscheinlich verlieren.

  1. Machen Sie sich beide bewusst, dass Sie Ihren Partner charakterlich nicht ändern werden. Er ist kein anderer Mensch geworden, es kommen vielleicht nur Seiten zum Vorschein, die Sie bisher so nicht kannten. Gerade unter Stress reagieren viele Menschen emotionaler als gewohnt. Lernen Sie, mit diesen neuen Facetten umzugehen und reflektieren Sie Ihr eigenes Verhalten. Sicher treten auch bei Ihnen Änderungen gegenüber früher auf.
  2. Reden Sie nicht übereinander sondern miteinander. Wenn Sie etwas bedrückt, sprechen Sie es an: offen, ehrlich, direkt. Achten Sie darauf, Vorwürfe zu vermeiden und lieber Ihre Wünsche zu formulieren. Statt einem „Immer gehst Du mit Deinen Kumpeln zum Fußball und ich sitze hier alleine mit unserem Baby.“ schaffen Sie mit „Ich würde gern einen Abend in der Woche Zeit für mich haben.“ die Basis für ein konstruktives Gespräch.
  3. Versetzen Sie sich in die Lage des anderen, um seine Position zu verstehen. Warum denkt, handelt oder reagiert Ihr Partner jetzt gerade so? Was steckt hinter seinen Äußerungen oder Reaktionen? Oft können kleine Ursachen eine große Wirkung entfalten und mit geringem Aufwand kann vielleicht so manches Problem zu beiderseitiger Zufriedenheit gelöst werden.
  4. Schaffen Sie sich persönliche Freiräume. Verlangen Sie nicht von Ihrem Partner, dass er Sie glücklich macht. So lange Sie selbst eine grundsätzliche Unzufriedenheit mit der jetzigen Situation verspüren, wird kein noch so toller Partner Sie langfristig glücklich machen können. Gönnen Sie sich daher immer wieder Auszeiten aus dem 24-Stunden-Job als Mutter. Geben Sie stundenweise Verantwortung ab: an Ihren Mann, an die Großeltern, an Freunde oder an einen Babysitter. Nutzen Sie diese Zeit bewusst für sich, in dem Sie eine räumliche Trennung zu ihrem Kind schaffen. So tanken Sie die nötige Energie, um später wieder mit Elan für Ihre Familie da zu sein.
  5. Tauschen Sie Zärtlichkeiten aus. Tägliche Berührungen und Streicheleinheiten sind nicht nur gut für die Seele, sie halten auch die Beziehung lebendig. Reden Sie offen darüber, wenn Ihnen momentan nicht nach Sex ist. Das ist völlig normal nach den Anstrengungen der Geburt und während der Stillphase. Sehen Sie nicht in jeder Zärtlichkeit die Absicht auf mehr und lassen Sie diese kurzen Phasen der Zweisamkeit im Alltag entspannt zu. So bewahren Sie sich die tiefe Nähe und Verbundenheit, die Sie vor der Zeit als Eltern empfunden haben.
  6. Unternehmen Sie etwas zu Zweit. Auch wenn Ihr Baby jetzt der Lebensmittelpunkt ist, verlieren Sie sich als Paar nicht aus den Augen. Gönnen Sie sich in der Anfangszeit ab und zu einen Abend zu Zweit, später vielleicht ein ab und an ein romantisches Wochenende. Unternehmen Sie etwas, dass mit Ihrem nachwuchs noch nicht geht und woran Sie früher Spaß hatten: gehen Sie ins Kino, erklimmen Sie einen Berg, entspannen Sie in der Sauna oder schmieden Sie beim Candle light Dinner Urlaubspläne für den nächsten Sommer. Egal was Sie tun, tun Sie es zu Zweit und seien Sie ausschließlich füreinander da.

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Die angeführten sechs Schritte sind darauf ausgerichtet, dass beide Partner gemeinsam bemüht sind, ihre Beziehung neu zu beleben und zu gewohnter Harmonie zurückzufinden. Schwieriger wird es, wenn nur ein Partner die Anzeichen einer Krise sieht und alleine gegen den Feind Entfremdung ankämpfen möchte. Wertvolle Tipps, wie Sie auch in diesem Fall die vertraute Nähe wiederfinden können, erhalten Sie hier.

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