Jugendamt

Wenn Kinder vom Jugendamt geholt werden

Pro Jahr holt das deutsche Jugendamt über 40.000 Kinder aus ihren Familien, Tendenz steigend. Für diese Situation sind einige Zustände verantwortlich: Ob Pubertätsstress, Drogensucht oder familiäre Gewalt – in schweren Fällen werden Kinder und Jugendliche in Obhut des Jugendamtes genommen. Das sollte den Kindern die nötige Sicherheit zurückbringen, allerdings geht es in den meisten Fällen darum, Eltern und Kinder einander wieder näherzubringen.

Zahl der Inobhutnahmen durch Jugendämter wird immer größer

[dropcap]D[/dropcap]ie Zahl der Inobhutnahmen ist in der letzten Zeit deutlich angestiegen. Im Jahr 2012 haben Jugendämter über 40.000 Kinder aus ihren Familien holen müssen. Das war ein Anstieg von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr und es waren sogar 43 Prozent mehr, als noch vor fünf Jahren. Das teilte bereits das Statistische Bundesamt mit. Reinhard Wiesner, Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin im Fachbereich Erziehungswissenschaft, bezeichnet diese Entwicklung mit den folgenden Worten: „Es wird heute eben einfach genauer hingesehen, auch von der Bevölkerung“.

Herr Wiesner war bis vor einigen Jahren Leiter des Referats für Rechtsfragen der Kinder- und Jugendhilfe im Bundesfamilienministerium. Er ist Autor der entsprechenden Regelungen im Sozialgesetzbuch. Für das Jugendamt wird es immer schwerer, die Gefahr einer Krisensituation in einer Familie richtig einzuschätzen. Fragen, wie „Wie gefährlich ist die Situation für das Kind wirklich?“, „Kann man mit der Kooperation der Eltern rechnen?“ oder „Reicht es aus, wenn das Familiengericht eine Entscheidung fällt?“ bringen meistens Zweifel mit sich. Deswegen entscheiden sich die Mitarbeiter des Jugendamtes, vorsichtshalber eine vorläufige Inobhutnahme anzuordnen.

Jede Trennung von den Familien muss durchdacht sein

Die Länge der Trennung von der Familie kann unterschiedlich lang werden. „Oft können wir durch ein Gespräch mit den Eltern und Kindern schon nach wenigen Minuten eine Einigung erzielen und die Situation entschärfen“, sagt dazu Christian Hübsch, Leiter des Jugendamts der Stadt Bayreuth. Inobhutnahme ist immer der letzte Ausweg, bevor das passiert, werden zuerst andere Optionen in Erwägung gezogen. Das könnte zum Beispiel eine sozialpädagogische Familienhilfe, ein vorübergehender Erziehungsbeistand oder eine vorläufige Unterbringung bei Verwandten sein.

Wenn eine Inobhutnahme doch nötig ist, bringt man die Kinder und Jugendlichen in Kinderschutzzentren oder in Bereitschafts-Pflegefamilien unter. Sie bleiben dann bleiben so lange dort, bis das zuständige Familiengericht in Kooperation mit den Eltern die richtige Lösung gefunden hat.

Bildquellen
Artikelbild: © panthermedia.net / barth-werbung.de

 

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