Frühchen

Studie: Welche Langzeitfolgen eine Frühgeburt hat

Laut Statistik wird jedes zehnte Kind in Deutschland zu früh geboren. Dank technischer Entwicklung überleben heutzutage selbst unreifste Frühchen. Manche von ihnen haben nicht mehr als 20 Wochen, also etwa 50 Prozent der regulären Zeit im Mutterleib verbracht. Die Folgen der Frühgeburt sind oft mit unterschiedlichen gesundheitlichen Defiziten verbunden, wovon die Kinder lange Zeit betroffen sind (geistige und seelische Entwicklung können beeinträchtigt werden).

Nachteile im Schul- und Sozialleben

[dropcap]L[/dropcap]ange Zeit wusste man dementsprechend sehr wenig über die Langzeitfolgen einer Frühgeburt, man hatte sich vielmehr darauf konzentriert, die Frühchen überhaupt am Leben zu erhalten. Wie sich jedoch die Frühgeburt auf die spätere Entwicklung des Kindes auswirkt, wurde erst in letzter Zeit ein Thema verschiedenen internationalen Langzeitstudien.

Die britische Epicure Studie, von dem deutschen Entwicklungspsychologen Dieter Wolke von der Universität Warwick geleitet, gehört zu den bedeutendsten auf diesem Feld. Im Laufe der Studie wurden alle Frühchen nachuntersucht, die 1995 nach 26 Schwangerschaftswochen (und weniger) auf Neonatalstationen in Großbritannien und Irland zur Welt kamen.

Das Resultat dieser Untersuchungen war ziemlich ernüchternd. Man konnte bei Frühchen beispielsweise Probleme bei den mathematischen Fähigkeiten feststellen.

Das betraf in erster Linie logisch abstrakte Aufgabestellungen, bei denen gleichzeitig eine Vielzahl von Informationen verarbeitet werden muss, damit ein komplexer Rechengang durchgeführt werden kann.

Niedrigerer IQ bei Frühgeborenen

Darüber hinaus hat man herausgefunden, dass Frühchen zweimal häufiger unter Aufmerksamkeitsstörungen leiden als Kinder, die normal geboren wurden. Außerdem leiden solche Kinder drei bis viermal häufiger unter Angst- und Depressionsstörungen, sind introvertierter und werden von ihrem sozialen Umfeld weniger wahrgenommen. Die Spätfolgen spiegeln sich negativ in dem Umgang mit sozialen Beziehungen wider, zudem sind diese Kinder öfter Opfer von Mobbing.

In einem Vortrag beim Landesverband „Früh-und Risikogeborene Kinder Rheinland Pfalz e.V.“ hat  Dr. Wolke zudem gesagt, dass auch der IQ der betroffenen Kinder von ihrer Reife bei der Geburt abhängig sei. Jede Woche weniger Zeit im Mutterleib hat einen schlechten Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns und bringt einen Verlust von 0,3 IQ-Punkten, vor der 33. Woche wäre es sogar ein Verlust von 2,7 IQ-Punkten.

Direkter Vergleich mit Gleichaltrigen wird gemieden

Mit Beginn der Schule bekommen Frühchen zu spüren, dass sie anders sind als gleichaltrige Kinder. Sie stellen fest, dass sie beim Lernen langsamer und allgemein schlechter sind, im Vergleich zu ihren Schulkameraden schneiden sie schlechter ab. Die betroffenen Kinder entwickeln daraufhin bestimmte Strategien, um mit ihren Altersgenossen nicht verglichen werden müssen.

Sie versuchen einfach ihre Zeit bevorzugt mit deutlich jüngeren oder älteren Kindern oder mit Erwachsenen zu verbringen. Das gibt ihnen Sicherheit, dass sie sich nicht messen müssen. Hängen sie mit Kleineren zusammen, können sie sogar das Gefühl der Überlegenheit erleben.

Bildquellen
Artikelbild: © panthermedia.net / Heiko Barth

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert