Pubertät

Pubertät: Kinder werden immer früher reif

Die Pubertät setzt bei Jungen und Mädchen immer früher an. Mit zehn Jahren die erste Regelblutung und mit zwölf bereits im Stimmbruch sind heutzutage nichts Ungewöhnliches. Früher war das alles später. Man macht sich bereits Gedanken, ob vielleicht etwas nicht mit den Hormonen stimmt oder dahinter eine Krankheit steckt. Fakt ist, dass die Pubertät bei immer mehr Kindern früher startet – um wie viel früher bleibt es allerdings umstritten.

Erste Regel schon mit acht

[dropcap]I[/dropcap]m Jahre 1860 trat bei den meisten Mädchen in Deutschland die Menarche (erste Regel) im Alter von 16,6 Jahren ein. 1920 kam die erste Regel um ganze zwei Jahre früher, 1980 bekamen die deutschen Mädchen ungefähr mit 12,5 Jahren ihre erste Periode. Heutzutage beginnt die Pubertät schon oft mit dem elften Lebensjahr, wie die Wissenschaftler des Robert Koch Instituts belegt haben.

Man schätzt bereits, dass Mädchen in Deutschland, die im Jahr 2010 14 Jahre alt geworden sind, bereits mit 9,7 Jahren ihre erste Regelblutung hatten. Seit einigen Jahren beobachten Ärzte zudem, dass Mädchen schon mit acht, in einzelnen Fällen sogar noch früher, Schamhaare und Brüste wachsen.

Jungen auch betroffen

Diese stetige Beschleunigung der sexuellen Reife kann man auch bei Jungen sehen. Der Zeitpunkt des ersten Samenergusses hat sich bei ihnen im Laufe der Zeit ebenfalls immer weiter verfrüht. Wenn man zum Beispiel die Ergebnisse zweier Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Jugendsexualität aus den Jahren 1980 und 2006 zusammen vergleicht, so lässt sich erkennen, dass 1980 etwa 69 Prozent der 14-jährigen Jungen angegeben haben, bereits einmal ejakuliert zu haben.

26 Jahre später waren es schon 83 Prozent. Der Anteil der Jungen, die ihren ersten Samenerguss vor ihren zwölften Geburtstag haben, ist in dieser Zeit von sieben auf 16 Prozent gestiegen. Bereits mit zwölf oder 13 Jahren kommen Jungen heute in den Stimmwechsel.

Was löst die Pubertät aus?

Das Hormon GnRH (Gonadotropin Releasing Hormon) ist für diese Veränderungen im Körper verantwortlich. Es entsteht im Hypothalamus, einer Region des Gehirns, und regt die benachbarte Hirnanhangdrüse (Hypophyse) an, zwei weitere Botenstoffe zu bilden: FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon).

Diese wiederum regen die Reifung der Samen in den Hoden und der Follikel in den Eierstöcken an. Dort werden die Geschlechtshormone produziert: Testosteron und Östrogene.

Warum trifft die Pubertät immer früher an?

Diesbezüglich sind sich die Wissenschaftler noch nicht ganz einig, es kursieren derzeit zwei Thesen darüber:

Änderung der Ernährung

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Versorgung mit Fleisch, Fett, Milchprodukten und Vitaminen enorm verbessert. Die heutige Jugend kann sich besser und vor allem gesünder ernähren, allerdings ist das Essen von heute auch kalorienreicher und fetter. Man vermutet in den Fachkreisen, dass zwischen reichhaltiger Ernährung und einem früheren Eintreten der Pubertät ein Zusammenhang besteht.

Umwelteinflüsse

Veränderungen in der Umwelt könnten laut einer Theorie einen Einfluss auf die Verlagerung des Reifezeitpunktes haben. Dabei unterscheidet man zwischen der sozialen Umwelt (Einflüsse der Gleichaltrigen, der Medien oder der zunehmenden Sexualisierung der Gesellschaft) und den ökologischen Veränderungen.

Bildquellen
Artikelbild: © panthermedia.net / tammykayphoto

1 Kommentar
  1. Heike sagte:

    Bei meinem Sohn ging es mit 10 los – 1. Flaum, zwischen 11. und 12. Lebensjahr der Stimmbruch. Heute, mit 14 ist er körperlich schon voll ausgereift. Leider geht aber die Entwicklung des Gehirns und des Verstandes nicht mit der körperlichen Reife einher. Das wäre gut, dann würden nicht so viele halbwüchsige Mädchen schwanger werden, die selbst noch nicht in der Lage einschätzen können, was auf sie zukommt.

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