Hebamme

Ist es das Ende der Hausgeburt?

Will man künftig sein Kind zu Hause oder in einem Geburtshaus zur Welt bringen, könnte sich das problematisch gestalten, weil man wahrscheinlich dafür bald keine Hebamme mehr finden wird. Laut Hebammenverband betrifft das auch viele Landkrankenhäuser, die Hebammen nur für eine Hausgeburt holen. In solchen Fällen arbeiten Hebammen nämlich freiberuflich. Das kann sich bald ändern: Freiberufliche Hebammen sehen sich in ihrer Existenz bedroht, weil keine Haftpflichtversicherung mehr sie aufnehmen will.

Keine Haftpflichtversicherung mehr für Hebammen

[dropcap]S[/dropcap]eitdem die Nürnberger Versicherung den Hebammen die Haftpflichtversicherung gekündigt hat, steht ihre Existenz auf der Kippe. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, zum 1. Juli steigt die Nürnberger Versicherung aus den zwei noch verbliebenen Versicherungskonsortien für Hebammen aus.

Bis jetzt konnte man noch keinen passenden Ersatz finden. Ohne Haftpflichtschutz jedoch dürfen Hebammen in Deutschland ihren Beruf nicht ausüben. Katharina Jaschke, Präsidiumsmitglied im Deutschen Hebammenverband, warnte bereits: „Es geht nicht nur um die zwei Prozent Hausgeburten. Das ganze Beleg-Hebammen-System kippt“. Freiberufliche Hebammen betreuten bisher rund zwei Prozent aller Geburten in Kliniken.

Krankenhäuser auf dem Land stellten bis jetzt die Geburtshelferinnen meistens nicht selbst an, sondern stellten ihnen lediglich die Räumlichkeiten zur Verfügung. Seit dem Rückzieher der Nürnberger Versicherung ist dieses Angebot in Gefahr.

Woran liegt es?

Hebammen kämpfen schon seit einigen Jahren gegen die Schwierigkeiten, die ihnen gemacht werden, wenn sie ihre Haftpflichtrisiken absichern wollen. Das liegt vor allem an einer eigentlich durchaus positiven Entwicklung: Richter gewähren jetzt Kindern, die bei der Geburt zum Beispiel durch Sauerstoffmangel bleibende Behinderungen davontragen, viel höheres Schmerzensgeld als früher. Man zahlt jetzt bei gleichen Schäden etwa vier Mal so viel wie noch vor zehn Jahren.

Nur einige Versicherungen trauen sich zu

Darüber hinaus erkennen nun die Gerichte immer öfter auch die langfristigen Kosten der Pflege kranker Kinder an. Was auf der einen Seite den Kindern und ihren Familien hilft, bringt auf der anderen Seite die Hebammen in eine Notlage, weil die Versicherungen immer höhere Schadenssummen begleichen müssen. Die aktuelle Versicherung des Hebammenverbandes deckt alle Schäden bis zu einer Höchstgrenze von sechs Millionen Euro ab.

Allerdings sind Fälle bekannt, bei denen die Grenze überschritten wurde und die Hebammen dann aus der eigenen Tasche bezahlen mussten. Nicht selten führte das zur Privatinsolvenz der betroffenen Hebammen. Es gibt derzeit noch drei Versicherungsgesellschaften, die Hebammen versichern wollen: Es ist die Versicherungskammer Bayern, die R+V und die Nürnberger Versicherung. Nürnberger Versicherung ist nur mit einer 20-prozentigen Beteiligung dabei und es ist nicht auszuschließen, dass nach ihrem Ausstieg die anderen zwei Gesellschaften ihren Part nicht übernehmen werden.

Geburtshilfe gilt eben als Risiko-Geschäft, das im Portfolio jeder Versicherung nur einen bestimmten Teil ausmachen darf.

Hebamme auf dem Land: Bald keine Hausgeburten mehr?

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Artikelbild: © panthermedia.net / Elena Shchipkova

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