Deutsche Kinderkrippen

Deutsche Kinderkrippen im europäischen Vergleich

Die PISA-Studie (2003) belegte, dass es der Bundesrepublik nicht gelingt lernschwache und sozial benachteiligte Kinder so zu fördern, dass sie die institutionelle Rollenerwartung angemessen erfüllen können. Um die Situation in den Bildungseinrichtungen zu verbessern, wird das gesellschaftliche Konzept der Inklusion verfolgt. Deutsche Kinderkrippen im europäischen Vergleich schneiden noch nicht gut genug ab.

Deutsche Kinderkrippen in der Entwicklung

[dropcap]A[/dropcap]ktuell soll die Entstehung einer Pädagogik gefördert werden, die sich durch die Gleichheit der Verschiedenheit definiert. Für die Bildungsinstitutionen bedeute dies, die individuellen Akteure in ihren Persönlichkeiten gleichberechtigt wertzuschätzen. Die vielfältigen Fähigkeiten sind ein wesentliches Thema der pädagogischen Arbeit. Die Evaluation des bundesdeutschen Bildungssystems orientiert sich am Vorbild des Gewinners der europäischen Vergleichsstudie. Nach der empirischen Erhebung werden Kinder in der Schweiz besser auf das gesellschaftliche Leben vorbereitet. Der kindliche Frühförderung in den Kinderkrippen und Tageseinrichtungen erhält eine hohe Wertschätzung.

Bildung von Anfang an

Neben den schulischen Einrichtungen wurden die Kindertagesstätten und Kinderkrippen für das schlechte Abschneiden in der PISA- Studie (2003) mitverantwortlich gemacht. Auch in diesen Bildungsinstitutionen gelinge keine angemessene Förderung der kindlichen Persönlichkeit. Zur Aufhebung der Defizite entstand das Konzept „Bildung elementar- Bildung von Anfang an“. Jedes Kind soll nach seinen individuellen Begabungen und persönlichen Interessen frühzeitig begleitet und unterstützt werden.

Dies bedeutet auch eine Abkehr von der defizitären Perspektive auf die kindliche Entwicklung. Die pädagogische Vorgehensweise richtet sich nach der Würdigung der individuellen Gesamtheit des Kindes. Eventuelle Schwächen und Entwicklungsdefizite dürfen die Wertschätzung der Persönlichkeit nicht negativ beeinflussen. Die Aufmerksamkeit gilt den Begabungen und Interessen. Die Kindertagesstätten und Kinderkrippen erhalten neben der Fürsorgepflicht einen gesellschaftlichen Bildungsauftrag.

Personalbedarf in Kindertagesstätten (Kitas) bis zum Jahr 2015* nach Bundesländern
Anzahl der Fachkräfte Vorhanden Fehlbedarf Überschuss
Nordrhein-Westfalen 20.596 6.150
Niedersachsen 6.858 5.939
Hessen 5.309 4.782
Baden-Württemberg 14.389 2.700
Rheinland-Pfalz 3.973 2.364
Sachsen 5.539 1.247
Bayern 17.421 1.157
Schleswig-Holstein 3.261 1.020
Mecklenburg-Vorpommern 1.347 581
Saarland 920 520
Bremen 924 444
Hamburg 2.712 175
Sachsen-Anhalt 1.807 38
Thüringen 2.640 634
Berlin 5.177 728
Brandenburg 2.746 1.320

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Konzeptionelle Umsetzung der Frühförderung in den Kinderkrippen

Das wesentliche pädagogische Konzept in Kinderkrippen ist die Frühförderung. Es gilt frühzeitig körperliche und geistige Beeinträchtigungen zu erkennen. Bei eventuellen Auffälligkeiten wird in Zusammenarbeit mit dem therapeutischen und medizinischen Außendienst des Sozialpaediatrischen Zentrums ein individueller Hilfeplan erarbeitet.

In mehreren Sitzungen oder über einen längeren Zeitraum fördern unterschiedliche spielerische Aufgaben die kognitiven und motorischen Fähigkeiten des Kindes. Dieser soziale Dienst leistet Unterstützung, wenn die pädagogischen Fähigkeiten der Erzieher an ihre Grenzen geraten. Der Bildungsauftrag der Krippe bezieht sich vor allem auf die Unterstützung der körperlichen und geistigen Entwicklung aller Kinder.

Zur methodischen Umsetzung dienen altersgerechte Übungen, Spiele und Beschäftigungsmöglichkeiten. Hier werden die ersten Bausteine der Persönlichkeit gelegt. Deshalb geht es bei der Betreuung in der Kinderkrippe nicht mehr nur um Fürsorge und Pflege. Die pädagogisch Professionellen inszenieren bereits frühe Bildungsprozesse. Die angemessen Umsetzung garantiert die Qualitätssicherung der Einrichtungen. Die konzeptionelle Festlegung des Bildungsauftrags ermöglicht eine kritische Reflexion des eigenen Handels. Die Einrichtung selbst betrachtet sich als Dienstleitungsunternehmen und ist an der ständigen Evaluation des Arbeitsprozesses interessiert.

Bisherige Umsetzung der pädagogischen Richtlinien

Gesellschaftliche Bildungssysteme sind nationale Konstrukte. Ihre Struktur ist daher abhängig von der historischen Entwicklung und den wirtschaftlichen Bedingungen des jeweiligen Landes. Ebenso wie in der schulischen Institution wurde auch die Qualitätssicherung der frühkindlichen Förderung lange Zeit vernachlässigt. Die Evaluation des deutschen Bildungssystems ist als ein gesellschaftlicher Entwicklungsprozess zu betrachten. Vor allem in den alten Bundesländern gibt es kein qualitativ hochwertiges Krippensystem.

In den vorhandenen Einrichtungen bezieht sich die pädagogische Arbeit in erster Linie auf die Fürsorge und Pflege. Aufgrund eines hohen Betreuungsschlüssels kann der gesellschaftliche Bildungsauftrag nur ungenügend umgesetzt werden. Ob der Besuch einer bundesdeutschen Kinderkrippe förderlich für die körperliche und geistige Entwicklung ist, hängt somit immer auch von der besuchten Einrichtung und der dort durchgeführten pädagogischen Arbeit ab.

Orientierung am Vorbild der Schweiz

Im Gegensatz zu Deutschland erhalten die Kinderkrippen in der Schweiz eine wesentlich höhere gesellschaftliche Wertschätzung, wie man das auch bei den bekannten pädagogischen Kinderkrippen in Luzern schön sehen kann. Die politische Perspektive verbindet pädagogische Professionalität direkt mit wirtschaftlicher Stabilität. Eine gute frühkindliche Förderung sichert potenzielles Humankapital für die Erfüllung zukünftiger Aufgaben. Die Kosten für den Ausbau wesentlicher Qualitätsstandards im Bildungssystem können später bei der sozialen Sicherung wieder eingespart werden. Die hohen Schweizer Bildungsausgaben stehen in direkter Relation mit den niedrigen Kosten für soziale Sicherung. Die Evaluation des bundesdeutschen Bildungssystems ist als ein Entwicklungsprozess zu betrachten, der mit der Angleichung der Qualitätsstandards in den Kinderkrippen nach schweizer Vorbild beginnt.

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Fazit

Zur wissenschaftlichen Analyse der internationalen Vergleichsstudie muss das schlechte Abschneiden des bundesdeutschen Bildungssystems aus einer ganzheitlichen Perspektive betrachtet werden. Die Vernachlässigung der frühkindlichen Förderung habe maßgeblich den Ausbau wichtiger Schlüsselkompetenzen verhindert. Dadurch trägt die defizitäre pädagogische Arbeit in den Kinderkrippen und Tageseinrichtungen zum Scheitern der schulischen Institution bei. Diese gefährde nicht nur den Lehrauftrag, auch die gesellschaftliche Integration benachteiligter Bevölkerungsanteile würde keine angemessene Umsetzung finden.

Um über einen längeren Zeitraum politische und wirtschaftliche Stabilität zu sichern, müsse eine Evaluation des gesamten bundesdeutschen Bildungssystems erfolgen. Den Kinderkrippen als frühkindliche Bildungseinrichtungen fällt dabei eine hohe Wertschätzung zu. Das theoretische Konzept der Inklusion und Integration dient als Richtlinie der pädagogischen Umsetzung. Es wird sich an jenen wirtschaftlich stabilen Nationen orientiert denen es gelingt alle Bevölkerungsteile gleichberechtigt in ihren Kompetenzen zu fördern. Diese Vorgehensweise garantiert auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen. Die bessere Umsetzung des Bildungsauftrag sichert das notwendige Humankapital für zukünftige wirtschaftliche Aufgaben.

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Artikelbild: © panthermedia.net Phovoi R.