Modisch in allen Lebenslagen

Kolumne: Aus dem Leben einer jungen Mama

Schwanger und trotzdem topmodisch - na klar!
[dropcap]E[/dropcap]rst der rosafarbene Albtraum, der in Würmchens Kleiderschrank versucht, die Vorherrschaft an sich zu reißen und jetzt das! Verloren stehe ich vor meinem Schrank und versuche vergeblich, etwas zum Anziehen zu finden. Als ich mein Lieblingskleid entdecke, kann ich nicht anders und halte es mir vor dem Spiegel ran (Masochismus lässt grüßen). Mit Entsetzen stelle ich fest, dass es nur noch eine Hälfte von mir bedeckt. Nicht nur, dass mein ohnehin unverschämt großer Bauch in den letzten Tagen zu einer ausgewachsenen Rumkugel mutiert ist – nein, jetzt gehe ich auch noch wie ein Hefekloß auseinander.

Am liebsten würde ich mich mutlos auf den Boden sinken lassen, doch aus jüngster Erfahrung weiß ich, dass ich in diesem Stadium der Schwangerschaft nicht mehr von allein hochkomme (übrigens ist das sehr unvorteilhaft, wenn die werdende Mami allein zu Hause ist). Ich lasse mich auf das Bett plumpsen (mit einem derartigen Kampfgewicht ist “plumpsen” noch geschmeichelt) und da sind sie auch schon wieder – die allzeit bekannten feuchten Augen. Da sitze ich nun schluchzend da, als meine bessere Hälfte den Kopf zur Tür reinsteckt. Jammernd erkläre ich ihm, dass ich nichts zum Anziehen habe (und ausnahmsweise entspricht das der Wahrheit) und ich doch in allen Lebenslagen (auch als ballonartiges Wesen) modisch sein möchte.

Wo sind meine Füße?

“Wollen wir shoppen gehen?” Sofort vergesse ich, dass ich ihm die Schuld für mein dickbäuchiges Dilemma geben wollte.

Shoppen? SHOPPEN!

Ich hieve mich vom Bett hoch, ziehe den baldigen Göttergatten am Arm hinterher, schnappe mir eine seiner Jacken, und ehe ich mich versehe, stehen wir in der Schwangerschaftsabteilung eines Modegeschäfts.

Voller neu gewonnener Energie (oder Schwangerschaftshormone – wer weiß das schon) flitze ich umher, präsentiere ihm hier und da ein Teil, um anschließend in der Umkleidekabine zu verschwinden. Umstandsbekleidung ist so gemacht, dass auch eine Hochschwangere darin Platz findet. Die Kunst ist also nicht, etwas zu finden, was passt, sondern etwas, worin ich nicht all zu gigantisch aussehe – was aus naheliegenden Gründen schwierig sein dürfte.

Endlich habe ich ein schickes, bequemes Shirt, was mich zu meiner überschwänglichen Freude nicht kugeliger aussehen lässt, als ich bin, gefunden. Da alles zusammenpassen soll – ein kurzer Blick auf meine Fü … Wo sind meine Füße? Ich starre an mir herunter und sehe Bauch, nichts als Bauch.

Ein Mann für alle Lebenslagen

Mit feuchten Augen (seit wann haben die ein Eigenleben?) komme ich aus der Kabine und erkläre, dass meine Füße weg sind. Der baldige Papa scheint verwirrt zu sein, sagt aber keinen Ton. Trotzig bezahle ich das Shirt. Wieder zu Hause angekommen kann ich meine Füße zwar immer noch nicht sehen, dafür spüre ich jetzt merklich, wo sie sind. Ich lasse mich auf das Sofa fallen. Wenig später kommt meine bessere Hälfte mit Creme herein, setzt sich vor mich und massiert meine Füße. Nun, vielleicht klappt es nicht ganz mit der Mode, dafür aber mit dem Mann in allen Lebenslagen.

Bild: David Leo Veksler – Flickr.com (CC BY-SA 2.0)





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