Mädchen oder Junge?

Kolumne: Aus dem Leben einer jungen Mama

Mädchen oder Junge?
[dropcap]E[/dropcap]s beginnt wieder damit, dass ich bei meinem, für Kaffeeabstinenz plädierenden, Gynäkologen bin. Er verteilt das kalte Gel auf meinem unverschämt kugeligen Bauch und schon beginnt die Realityshow. Mit großen und zugegeben leicht feuchten Augen (das mit den feuchten Augen passiert in letzter Zeit öfters) verfolge ich bewundernd das Treiben auf dem Monitor. Aus Pünktchen ist mittlerweile ein Würmchen (zugegeben mit einem ziemlich großen Kopf) geworden oder wie meine Freundin einmal sagen wird: ein Schnitzel mit Armen und Beinen.

Interpretation von Ultraschallbildern

Wie sich schon am fleischigen Kommentar meiner Freundin erkennen lässt, ist die Interpretation von Ultraschallbildern eine Disziplin für sich. Jedes neue Ultraschallbild, das ich, stolz wie ein Pfau, Freunden, Verwandten und jedem der es sehen will (ich bin schon jetzt eine stolze Mami) unter die Nase halte, sorgt für neue abenteuerliche Mutmaßungen hinsichtlich des Geschlechts.

Eigentlich ist anzunehmen, dass die Spekulationen über das Innere meines Uterus sich lediglich auf zwei Möglichkeiten begrenzen: Prinzessin oder Pirat. Zu meiner großen Überraschung ist das nicht so. So kommt es auch, dass die allzeit gestresste Bekannte mit den Kindern in zweifacher Ausführung, unverkennbare Parallelen zu ihren eigenen Ultraschallbildern erkennt.

Sonst ignoriere ich ungebetene Ratschläge und derartige geschlechterspezifische Aussagen, doch auf einmal überkommt mich die blanke Panik. Zwillinge!

Als am Abend meine bessere Hälfte nach Hause kommt, sitze ich mit einer Lupe (seit wann besitze ich so etwas?) und einer sehr, sehr grellen Lampe vor dem Schreibtisch (jawohl, vor und nicht am Schreibtisch; ein Bauch dieser Größenordnung kennt nämlich keine Gnade) und inspiziere das Bild Millimeter um Millimeter. Glücklicherweise kann ich keine Auffälligkeiten wie ein drittes Bein oder einen zweiten Kopf entdecken. Meine Panik hat sich gelegt. Später, genau genommen im letzten Trimester meiner Schwangerschaft, stelle ich fest, dass es sich bei dieser Panik in Wahrheit um Sodbrennen gehandelt hat. Zum Glück muss man Schwangere einfach lieben.

Halbzeit

Am nächsten Tag habe ich, pünktlich zur Halbzeit in der 20. Schwangerschaftswoche, den Termin für die sonografische Feindiagnostik. Bisher hat sich Würmchen erfolgreich gedrückt, wenn festgestellt werden sollte, ob es ein Mädchen oder Junge ist und es hat ihren oder seinen kleinen Hintern präsentiert (hoffentlich ist das nur eine pränatale Phase).

Nachdem uns der Arzt spazieren geschickt hat (Würmchen hat wieder fröhlich mit seinem/ihrem Hintern vor der Kamera gewackelt), startet nun Versuch Nummer zwei. Zuerst sehen wir einen Fuß (wie süß), gefolgt von einem kleinen Hintern (offenbar wird das nicht langweilig) und dann … “Ich gratuliere, Sie bekommen ein Mädchen!” Oh eine kleine Prinzessin! Und wieder werden meine Augen, wie so oft in letzter Zeit, feucht.

Bild: RiyAdh – M!s$ -Flickr.com (CC BY 2.0)

Mädchen oder Junge?
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2 Kommentare

  1. So wie immer wunderschön zu lesen und man kann sich nochmal schön an seine eigene Schwangerschaft zurück erinnern. Und das mit den Zwillingen kenn ich, bei dem einen sieht es auch aus wie zwei 🙂 freu mich schon wieder auf den nächsten Artikel 🙂

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