Kaffeefrust

Kolumne: Aus dem Leben einer jungen Mama

Kaffee und Schwangerschaft
[dropcap]E[/dropcap]s kommt mir vor wie gestern: Noch total aufgewühlt von Pünktchens erstem Ultraschall sitze ich anschließend im Sprechzimmer meines Gynäkologen und bin nach dieser Aufregung wirklich bemüht, ihm meine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Immerhin habe ich soeben erfahren, dass ich in absehbarer Zeit Mama werde und Babys erstes Fotoshooting gab es auch noch. Mit einem vielleicht etwas zu breitem Grinsen auf meinen Lippen höre ich ihn aufzählen, was ich von nun an noch darf und was nicht. Hauptsächlich geht es um meinen Speiseplan während der Schwangerschaft.

Ich darf keinen Alkohol trinken (unerhebliche Einschränkung; meine Nüchternheitsgrenze beträgt maximal zwei Gläser Diplomatenwasser), keinen rohen Fisch essen (gibt es etwa Leute die das machen?), ebenso keinen Rohmilchkäse naschen (mit einer ausgeprägten Laktoseintoleranz vermeide ich zum Wohle meiner Mitmenschen ohnehin derartige Lebensmittel) und nicht rauchen (kein Thema).

Das Ganze erinnert mich an ein bisschen an meine Schulzeit, als am ersten Tag eines jeden Schuljahres in Form der Hausordnung klargestellt wurde, was erlaubt ist und was eben nicht. “… und selbstverständlich keinen Kaffee trinken.”

Sofort bin ich wieder im Hier und Jetzt, das breite Grinsen ist verschwunden. Wie bitte? WAS?

Heiß begehrtes Bohnengetränk

Ich wusste doch, dass es einen Haken gibt. Wäre auch zu schön, um wahr zu sein. Entsetzt über diese Horrornachricht fahre ich nach Hause. Es ist nachmittags. Die perfekte Zeit für eine Kaffeepause. Im Treppenhaus riecht es nach dem heiß begehrten Bohnengetränk.

So schnell wie möglich hieve ich mich (wo ist denn nur auf einmal meine Kondition geblieben?) die schier unendlichen Stufen zur Wohnung hoch, um mir auch eine derartige Leckerei zu gönnen. Raus aus den Schuhen, rein in die Wohnung und ab zum Küchenschrank.

Ich öffne die Kaffeedose, schnuppere an dem köstlichen Pulver und will mir gerade die Kaffeemaschine befüllen, als mir wieder einfällt, dass ich ja gar keinen Kaffee trinken darf. Verfluchte Schwangerschaftsdemenz! Sie beginnt also doch in der fünften Woche. Ich versuche, mein Verlangen nach der Koffeindröhnung mit einem Stück Schokolade abzulenken. Doch wie ich das Stück braunen Glücks im Mund habe, nehme ich die Beine in die Hand und flitze ins Bad. Wie sich später herausstellt, stacheln Süßigkeiten bis zum sechsten Monat meinen Würgereflex an. Genau genommen fühlt sich mein Magen von diesem Moment an von jeglichen Lebensmitteln zum Kampf heraus gefordert.

Nächtliche Kaffeeträume

Es ist der sechste Monat, meine ganztägige und nächtliche Übelkeit gehören mittlerweile der Vergangenheit an und ich vermisse meinen morgendlichen Kaffee mehr denn je. Vielleicht hat es der ein oder andere schon gemerkt: Ich liebe Kaffee! Natürlich würde ich es meinem Verlobten gegenüber nie zugeben, aber möglicherweise hat er ja recht und ich bin früh am Morgen nicht gerade der fröhlichste Mensch.

Wer ist auch schon glücklich darüber, sein kuscheliges warmes Bett verlassen zu müssen? Überaus frustriert über einen weiteren kaffeelosen Morgen quäle ich mich also raus und tapse in die Küche. Ich traue meinen Augen kaum, als ich eine große Tasse mit dampfendem, heißen Kaffee auf meinem Platz stehen sehe. Plötzlich wache ich auf und stelle fest, dass es nur ein Traum war.

Bild: Helga Weber – Flickr.com (CC BY-ND 2.0)

Kaffeefrust
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