Ein rosafarbener Albtraum

[dropcap]I[/dropcap]ch gratuliere, Sie bekommen ein Mädchen!“ Ich kann es noch gar nicht richtig glauben. Mit feuchten Augen und voller Aufregung will ich am liebsten sofort meinem Nestbaudrang nachgehen. Bisher habe ich diesen erfolgreich unterdrückt. Na gut, ein paar weißen Söckchen konnte ich dann doch nicht widerstehen. Ich packe den künftigen Papa an der Hand und schleppe ihn in den Babyladen, der günstigerweise nur ein paar Hausnummern von der Arztpraxis entfernt ist. Dort angekommen wird meine Freude jedoch schnell getrübt. Die Mädchenabteilung ist ein rosafarbener Albtraum!

Wo sind nur die Farben hin?

Wer so wie ich glaubt, dass Mädchen und Jungen nicht strikt nach Rosa und Blau getrennt werden müssen, sondern durchaus in anderen Farben knuffig aussehen dürfen, der irrt sich schlichtweg. Dieser Laden ist der beste Beweis dafür. Bei einer rosafarbenen Schmetterlingsapplikation, einem Schleifchen oder was auch immer, könnte ich (gerade so) damit leben. Doch hier frage ich mich, wo nur all die anderen Töne, jenseits von Rosa und Pink, hin sind. Haben sie beim Anblick dieser bonbonfarbenen Invasion die Flucht ergriffen? Während ich mich sichtlich geschockt durch die Reihen kämpfe, beobachtet mich meine bessere Hälfte mit amüsierter Miene. Schließlich weiß er von meiner rosigen Abneigung.

Ohne Ausbeute kommen wir (die kugelartigen Schwangeren unter uns schniefend und mit schmerzenden Füßen) zu Hause an. Frustriert und hungrig (kommt neuerdings oft zur gleichen Zeit vor) schalte ich meinen Laptop an, um zu sehen, was das World Wide Web so zu bieten hat.

Hoppla, da bin ich wohl vor lauter Müdigkeit spontan eingeschlafen (das kommt neuerdings ebenfalls oft vor). Ich beschließe, mir erst einmal einen Schlachtplan in Sachen Babykleiderkauf zu überlegen und döse weiter vor mich hin.

Anti-Rosa-Generation

Zwischenzeitlich hat es die Runde gemacht, dass das beim Ultraschall mit seinen Mini-Hintern wackelnde Würmchen zu einem Mädchen heranwächst. Interessanterweise werden die meisten Menschen bei Babys überaus spendabel. Wahrscheinlich werden wir deshalb häufig gefragt, was wir für unser noch namenloses Mädchen (welch dezenter Hinweis) brauchen. Da gibt es natürlich eine ganze Menge, (wie sich mit reifender Erfahrung im Nachhinein rausstellen wird, leider auch eine Menge Unnötiges), nur in besagter Farbe soll es bitte nicht sein.

Zuerst hielt ich es für Unaufmerksamkeit, ja vielleicht sogar einfach nur einen unglücklichen Umstand, dass uns hier und da rosa Babysachen geschenkt werden. Wohlerzogen, wie ich bin, bedanke ich mich natürlich immer fein. So ist es auch passiert – schleichend und ohne, dass ich es gemerkt habe. Gerade will ich die vorgewaschenen Kleidungsstücke in Würmchens Kleiderschrank legen, da stelle ich mit Entsetzen fest, dass sich hier ein erneuter rosafarbener Albtraum ausbreitet. Ob zu mädchenhafte Babysachen die Ursache für meine farbliche Intoleranz sind? Ich sehe jedenfalls schon die nächste Anti-Rosa-Generation vor mir. Oh je.

Bild: {Charlotte.Morrall} – Flickr.com (CC BY 2.0)

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