Die Nachgeburt: Was passiert eigentlich?

[dropcap]?[/dropcap]Wenn der Geburtstermin erreicht ist, werden die meisten schwangeren Frauen etwas nervös: Kommt das Kind, kommt es nicht? Wann kommt es, und was passiert dann? Vor allem Erstgebärende und Frauen, die ihr Kind oder ihre Kinder bislang in Kliniken unter Medikamenteneinfluss und intensiver ärztlicher Betreuung geboren haben, sind oft unsicher. Denn in den Geburtsvorbereitungskursen kann die Hebamme Themen wie Themen wie die Nachgeburt, Nachwehen, die Zeit unmittelbar nach der Entbindung und schmerzhafte Erfahrungen nur sehr rudimentär ansprechen, um die Frauen nicht zu verunsichern.

Eine werdende Mutter, die Angst vor der Geburt hat, ist immer ein Risiko. Und genau das will eine gute Hebamme in der Regel vermeiden. Dennoch ist die Nachgeburt, also die Ablösung der Plazenta aus dem Uterus, verbunden mit dem Abgang der Eihäute (also der dünnen Membranen, die die Fruchtblase umschließen), ein Thema, das schwangere Frauen beschäftigt. Denn mit der Geburt des Babys ist die eigentliche Geburt ja nicht abgeschlossen.

Ängste und Horrorgeschichten dienen nicht der Entspannung!

[dropcap]S[/dropcap]chwangere sollten sich keinesfalls die Erzählungen von Bekannten, Freunden, älteren weiblichen Verwandten und Frauenärzten zum Thema Geburt und Nachwehen anhören. Denn das weckt Ängste. Es geht in der Regel um Wehen, die schmerzen, um hohen Blutverlust, um Probleme in der Nachgeburtsperiode, die ärztliche Eingriffe nötig machen. Es ist verständlich, dass diese Themen Menschen bewegen, denn nicht zuletzt aufgrund der medizinischen Risiken einer Entbindung und dem damit verbundenen Blutverlust war in früheren Jahrhunderten die Sterblichkeit von Müttern und Kindern bei der Entbindung und in der Phase kurz danach so groß. Trotzdem: Lassen Sie sich keine Angst machen! Während der Schwangerschaft, und vor allem in der Endphase, wenn der Geburtstermin näher rückt, dürfen Sie sich solche Erzählungen ausdrücklich verbitten!

Aufklärung ist wichtig

Lesen Sie lieber eine unbebilderte Abhandlung von Ihrer Hebamme, die beschreibt, was in der Nachgeburtsperiode passiert. Die Entbindung selbst sollten Sie entspannt angehen, das tut Ihnen und Ihrem Baby gut. Denn wer entspannt ist und auf die natürlichen Funktionen des Körpers vertraut, der wird die Wehen, die Nachwehen und alles, was dazu gehört, als weniger schmerzhaft erleben.

Und vor allem dürfen Sie sich sicher sein, dass Ihr Körper weiß, was er tut. Hebammen, die so wenig wie nur eben möglich in die natürlichen Geburtsvorgänge eingreifen, erleben erstaunlicherweise die wenigsten medizinischen Notfälle.

Was passiert eigentlich?

Machen Sie sich darauf gefasst, dass Ihr Baby sich nicht unbedingt an den Geburtstermin hält. Kinder sind erstens nicht in der Lage, den Kalender zu lesen, zweitens fällt es den meisten Menschen schwer, den genauen Zeitpunkt der Empfängnis zu bestimmen, und drittens ist nicht jedes Kind nach exakt neun Monaten auf den Tag genau „fertig“ (sogar die Frühstücksbrötchen halten sich selten an die Minutenangabe auf der Packung – meist brauchen sie ein paar Minuten länger).

Lassen Sie sich nicht von Ihrem behandelten Mediziner nervös machen. Bleiben Sie mit der Hebamme in Kontakt, die kann Sie nicht nur während der Entbindung betreuen, sondern auch über alles aufklären, untersuchen, Ängste nehmen. Das gehört immerhin zu ihrem Beruf. Und die Hebamme wird Ihnen auch erklären, dass die Geburt nicht vorbei ist, wenn das Baby da ist. Denn alles, was am Baby direkt „dranhängt“, muss auch noch kommen. Das wird landläufig Nachgeburt genannt, denn es ist das, was geboren wird, wenn das Kind da ist.


Was gehört dazu?

Sie wissen, was ein Kind braucht, um im Uterus versorgt zu werden? Das ist allerhand:

  • Die Gebärmutter selbst ist ein großer, grob sackförmiger Muskel, in dem das Kind von der Empfängnis bis zur Geburt lebt. Dieser Muskel schützt das Kind und hilft, es bei der Geburt aus dem Körper zu schieben.
  • Das Kind selbst befindet sich in der Fruchtblase. Die besteht aus feinen Eihäuten, die Baby und Fruchtwasser umschließen. Kind, Fruchtwasser und Eihäute zusammen nennt man Fruchtblase. Das ist ein eigener kleiner Kosmos, der mehr oder weniger hermetisch abgeriegelt ist.
  • Die Nabelschnur ist die Lebensleine des Kindes. Sie schließt den kleinen Menschen an den Körper der Mutter an, an das Blutsystem. So wird das Kind mit Blut versorgt, und im Blut sind alle lebenswichtigen Nährstoffe sowie Sauerstoff gelöst.
  • Die Nabelschnur verbindet den kleinen Menschen mit der Mutter durch die Plazenta. Die wird auch Mutterkuchen genannt. Der Mutterkuchen ist eine Art Filter: Wichtige Vitamine, Nährstoffe, Sauerstoff und anderes gelangt hindurch und kann das Kind versorgen, Giftstoffe dagegen werden herausgefiltert.

Wenn die Wehen aufhören, das Kind geboren ist und der glücklich lächelnden Mutter in den Arm gelegt, wird, ist es noch über die Nabelschnur mit der Mutter verbunden. Die Schwangerschaft ist beendet, der Geburtsvorgang noch nicht. Denn in der Gebärmutter befindet sich immer noch die Plazenta, Reste der Fruchtblase sind daran festgewachsen, und natürlich auch die Nabelschnur.

Die Nachwehen schmerzen fast so sehr wie die Geburtswehen, aber auch da muss jede Frau einfach durch. Denn die Nachgeburt darf nicht im Körper bleiben, sie würde Infektionen verursachen. Die Nachgeburt wird über schmerzhafte Wehen aus dem Körper befördert, normalerweise innerhalb der ersten halben Stunde nachdem das Kind geboren wurde. Die Hebamme untersucht die Nachgeburt auf ihre Vollständigkeit. Ist zu erkennen, dass sich die Plazenta nicht vollständig von der Gebärmutter getrennt hat, wird mit technischem Gerät untersucht, ob sich noch Teile im Körper befinden, die operativ entfernt werden müssen.

Das wird als Sonographie bezeichnet. Wann das Kind abgenabelt wird, also die Nabelschnur durchtrennt wird, hängt übrigens von der Arbeitsweise der Hebamme ebenso ab wie von den Wünschen der Mutter. Babys müssen nicht sofort abgenabelt werden, solange die Nabelschnur noch pulsiert, dürfen sie daran bleiben.

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