Der erste Zahnarztbesuch – Wie wir Kindern die Angst vor dem Zahnarztbesuch nehmen

Kind bei dem Zahnarzt | © panthermedia.net /pressmaster
Kind bei dem Zahnarzt | © panthermedia.net /pressmaster

Immer wieder erlebt man als Eltern und auch als Zahnarzt, dass Kinder vor und bei ihrem ersten Zahnarztbesuch große Angst haben. Diese Angst äußert sich in den verschiedensten Ausdrucksweisen: Einerseits schreit das Kind und lässt sich kaum beruhigen, andererseits weigert es sich strikt, im Zahnarztstuhl Platz zu nehmen. Sitzt es aber doch endlich im Zahnarztstuhl, weigert es sich, den Mund aufzumachen. Es kann aber auch sein, dass es laut schreiend aus der Zahnarztpraxis läuft. Was also kann man selbst als Eltern tun, damit unsere Kinder nach Möglichkeit erst gar keine Angst entwickeln vor dem Zahnarzt und eventuellen Behandlungsmaßnahmen? Und wie kann eine kindgerechte Vorbereitung auf mögliche Behandlungsmaßnahmen aussehen?

Übersicht

Kind hat Angst vor dem Zahnarzt | © panthermedia.net /halfpoint
Kind hat Angst vor dem Zahnarzt | © panthermedia.net /halfpoint

Hatten wir beispielsweise in Europa in den 1970er Jahren noch eine sehr hohe Kariesverbreitung in allen Altersklassen (Kinder, Jugendliche, Erwachsene), ist diese in den nachfolgenden Jahren erfreulicherweise deutlich zurückgegangen. So hat sich beispielsweise der sog. DMF/T – Index (das D steht für decayed, deutsch: kariös; M steht für missing, deutsch: fehlend; F steht für filled, deutsch: gefüllt; T steht für teeth, deutsch: Zähne) pro Kind von 3,9 im Jahr 1960 auf 1,2 im Jahr 2000 reduziert.

Mittlerweile liegt der prozentuale Anteil an Kindern mit kariesfreien Gebissen bei ungefähr 60%. Eine erfreuliche Entwicklung. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass nach wie vor noch eine erhebliche Anzahl Kinder und Jugendlicher eine Karieserkrankung hat, die auch dringend der Behandlung bedarf. Andererseits bedeutet der Rückgang kariöser und damit behandlungsbedürftiger Zähne nicht, dass diese Kinder keinen ersten Zahnarztbesuch absolvieren müssen. Denn einerseits ist eine deutlich Kariesreduktion zu verzeichnen, andererseits nehmen aber die Zahnfleischerkrankungen auch in dieser Altersgruppe zu.

Da der Konsum von nieder- und hochmolekularen Kohlenhydraten (Zucker) sich im gleichen Zeitraum nicht verringert, sondern eher im Gegenteil erhöht hat, ist der Kariesrückgang offenbar ein Ergebnis kontinuierlicher Fluorid-Zufuhr, bei Babys und Kleinkindern in Tablettenform, später durch Benutzung fluoridhaltiger Zahnpasten. Hinzu kommt als ergänzende prophylaktische Maßnahme die Versiegelung der bleibenden Zähne, angefangen mit dem ersten bleibenden Backenzahn.

Was können wir als Eltern tun, um unseren Kindern die Angst vor dem ersten Zahnarztbesuch zu nehmen?

Klar ist, dass ein Zahnarztbesuch keinen Helden erfordert. Das gilt gleichermaßen für Kinder und Erwachsene. Es kommt im Wesentlichen darauf an, Angst vor dem ersten Zahnarztbesuch gar nicht erst aufkommen zu lassen. Die Angstvermeidung beginnt bereits Zuhause:  


  •  Mit dem Zähneputzen durch die Eltern muss bei Kleinkindern begonnen werden, sobald die ersten Milchzähne in die Mundhöhle durchgebrochen sind, und zwar nach jeder Hauptmahlzeit, d.h. nach dem Frühstück, nach dem Mittagessen, nach dem Abendessen. Durch diese Regelmäßigkeit des Zähneputzens erfährt das Kleinkind bereits mehrere wichtige Dinge: Zähneputzen gehört zur normalen, regelmäßig wiederkehrenden Körperpflege; Zähneputzen tut nicht weh; und nach dem Zähneputzen fühlen sich die Zähne wieder „sauber“ an.
  •  Wenn Sie selbst zum Zahnarzt zur Behandlung gehen müssen, nehmen Sie Ihr Kind mit, damit es sieht, dass Sie selbst keine Angst haben. Allerdings ist es nicht ratsam, das Kind mitzunehmen, wenn Sie selbst Angst vor der Behandlung haben. Denn Sie sind ja das Vorbild für Ihr Kind. Dann wird das Kind auch bereits mit Angst reagieren, obwohl bei ihm noch gar nichts gemacht wurde.
  •  Seien Sie ehrlich Ihrem Kind gegenüber. Es gibt Behandlungen, die unangenehm sind, die auch wehtun können. Das zu leugnen kann fatale Folgen haben (das Kind wird aufgrund dieser schlechten Erfahrung nur sehr schwer vom Gegenteil zu überzeugen sein).
  •  Ein Kind darf auf keinen Fall gezwungen werden, sich gleich beim ersten Zahnarztbesuch behandeln zu lassen. Das behutsame Heranführen an eine Behandlung erfolgt erst, wenn zwischen Kind und Zahnarzt ein Vertrauen aufgebaut ist. Deshalb sind vor einer Behandlung mehrere Zahnarztbesuche mit Hineinschauen des Zahnarztes in den Mund und eventuell Zeigen von verschiedenen Behandlungsinstrumenten sinnvoll.
  •  Eine Belohnung nach erfolgter erfolgreicher Behandlung ist auf jeden Fall sinnvoll, ein dickes Lob ist das Minimum. Wie die Belohnung aussehen soll, das bleibt der Fantasie der Eltern überlassen.

Fazit zum bekämpfen der Angst

Um Kindern die Angst vor dem ersten Zahnarztbesuch zu nehmen, sind mehrere Schritte sinnvoll:


  •  So früh wie möglich das Zähneputzen beibringen (Kinder können frühestens ab dem 5. oder 6. Lebensjahr selbständig Zähne putzen).
  •  Nehmen Sie das Kind zum Zahnarzt mit, wenn Sie selbst behandelt werden müssen.
  •  Seien Sie ehrlich dem Kind gegenüber, eine „Lüge“ ist kontraproduktiv.
  •  Zwingen Sie das Kind nicht zur Behandlung.
  •  Eine Belohnung nach erfolgter Behandlung – und sei es nur ein dickes Lob – sollte selbstverständlich sein.

 

Der erste Zahnarztbesuch – Wie wir Kindern die Angst vor dem Zahnarztbesuch nehmen
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