Schmerztherapie für Kinder: Zweite Station in Deutschland geplant

Das bislang einzige Kinderschmerzzentrum in Deutschland steht im nordrhein-westfälischen Datteln. Hier lernen chronisch schmerzkranke Kinder, ihre Schmerzen wieder zu „verlernen“. Da es die einzige stationäre Einrichtung dieser Art ist, sind die Wartelisten sehr lang. Im Jahr 2015 soll nun auch in Augsburg eine Schmerzstation eingerichtet werden.

Aktiv sein – trotz Schmerzen

Unter permanent quälenden Schmerzen leiden in Deutschland etwa 350 000 Kinder und Jugendliche, die Tendenz ist steigend. Im Kinderschmerzzentrum in Datteln geht es den chronischen Schmerzen, die keine organische Ursache haben, an den Kragen. Das heißt, genau genommen geht es an das Schmerzgedächtnis.

Eine Therapie dauert drei Wochen. In dieser Zeit sollen die Kinder und Jugendlichen lernen, trotz der Schmerzen im Alltag zurechtzukommen. Denn für die Ärzte steht fest, dass der Schmerz nicht nur ein medizinisches Phänomen sein, sondern auch ein soziales.

Wenn chronische Schmerzen länger als drei Monate anhalten, dann bilden sich Synapsen im Gehirn. Das sind Verknüpfungen von Nervenzellen. In diesen wird der Schmerz abgespeichert und es entsteht ein Schmerzgedächtnis.

Dieses muss überlistet werden, damit die Schmerzen wieder verlernt werden. Ein Punkt der Therapie ist, den Kindern und Jugendlichen das Aktivsein trotz Schmerzen beizubringen. Denn die Auszeiten aufgrund von Schmerzen sollten so kurz wie möglich gehalten werden. Je länger sie dauern, umso größer sind die Probleme, die jungen Menschen wieder an das normale Leben heranzuführen. Deshalb geht es in der Schmerzabteilung mit den knapp 20 jungen Patienten – meistens im Alter von 12 bis 18 Jahre – auch eher wie in einer Jugendherberge statt wie im Krankenhaus zu.

Die Kinder und Jugendlichen müssen selbst den Tisch decken oder aufräumen. Die Kinder sollen lernen, dass man im Alltag trotz Schmerzen viele Dinge erledigen kann. Sie sind abgelenkt – und Ablenkung ist ein Teil der Strategie, dem Teufelskreis zu entkommen.

Quelle: www.br.de
Bildquelle: ©manaemedia / iStock

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